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Tokio entdecken – Tokio verstehen

Tokio ist eine der faszinierendsten Städte der Welt. Die Größe der Stadt (sie hat fast doppelt so viele Einwohner wie New York) ist beeindruckend. Traditionelle japanische Kultur mischt sich hier mit dem bunten und schrillen Japan. Doch die Stadt zu besichtigen ist eine Aufgabe für sich. Wo soll man überhaupt anfangen und wie navigiert man sich durch die Stadt?

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Grundsätzlich ist Tokio anders aufgebaut als andere Metropolen, die wir euch bereits vorgestellt haben. Anders als in Sydney oder Chicago gibt es hier nicht wirklich ein ausgewiesenes Stadtzentrum, das man zu Fuß erkunden kann. Vielmehr gibt es hier viele Stadtviertel, die alle ihre eigenen Attraktionen haben.  JR East hat eine recht übersichtliche Karte erstellt, die euch zeigt, wie man mit der Bahn von einem Viertel in das nächste kommt. Wir wollen euch hier die einzelnen Viertel vorstellen.

Shibuya

Tokio Shibuya

Shibuya Crossing

Das vielleicht bekannteste Bild von Tokio ist die Kreuzung in Shibuya, Shibuya Crossing genannt. Bei Nacht kreuzen sich hier die Wege von hunderten Fußgängern. Einen tollen Blick auf das Gewusel bekommt man aus dem Starbucks Cafe an der Bahnstation Shibuya oder aus dem gegenüberliegenden Einkaufszentrum. Der Bahnhof von Shibuya ist auch Zeuge einer ganz besonderen Geschichte: Hachiko, der Hund eines Universitätsprofessors holte sein Herrchen immer von diesem Bahnhof ab. Als sein Herrchen auf der Arbeit verstarb, kam er noch jahrelang zum Bahnhof in der Hoffnung, sein Herrchen wiederzusehen. Heute steht vor dem Bahnhof, direkt an der berühmten Kreuzung, eine Bronzestatue für Hachiko.

Tokio Meiji Schrein

Sake-Fässer am Meiji-Schrein

Shibuya ist auch eines der größten Shoppingviertel von Tokio. Wer nachts durch die Fußgängerzone geht wird überwältigt von Leuchtreklame und brüllend lauter Werbebotschaften aus den Lautsprechern der Geschäfte. Auch für Abendessen findet sich hier für jedermann etwas.

Etwas nördlich von Shibuya liegt der Meiji-Schrein, einer der größten und bekanntesten Schreine in Tokio. Zu ihm führt ein Weg durch einen kleinen Wald, in dem sich auch eine Wand von Sake-Fässern befindet, die den Schrein beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg gespendet wurden.

Shinjuku

Tokio Meiji Schrein

Der Innenhof des Meiji Schreins

Direkt östlich des Parks vom Meiji-Schrein befindet sich die Takeshita-Dori Straße. Diese Einkaufsstraße ist vor allem auf jüngeres Publikum ausgelegt. Auf der Hauptstraße selbst findet man die Läden der großen internationalen Marken wie Adidas oder Nike. Es sind allerdings die kleinen Nebengassen, die begeistern. Sie voll sind mit kleinen Ständen, die Süßigkeiten verkaufen. Hier findet ihr auch mit Sicherheit viel Neues. Wir haben zum Beispiel einen mit Crème Brûlée gefüllten Crepes bei Comcrepe probiert, es gibt aber auch Zuckerwatte, Erdbeeren und alles andere was das Herz begehrt.

Tokio Shinjuku

Kirschblüte in den Shinjuku Gärten

Weiter nördlich gelangen wir zum Viertel Shinjuku. Es ist eines der bekanntesten Viertel Tokios, da es auch das Geschäftsviertel ist. Viele Firmen sind hier ansässig und auch der Film Lost in Translation wurde hier gedreht. Wer in Shibuya und auf der Takeshita-Dory Straße noch nicht genug geshoppt hat, kann das hier natürlich auch tun. Das Highlight des Stadtviertels sind jedoch die Shinjuku-Gärten. Japanische Gärten haben es ja weltweit zu einer Berühmtheit geschafft und ein japanischer Garten in Japan – das muss doch etwas sein. Die Shinjuku Gärten halten ihr Versprechen. Der große Park ist nicht vollgepackt mit Pflanzen und Teichen, sondern bietet auch viele freie Flächen für Picknicks. Im April, während der Kirschblüte, sind hier natürlich besonders viele Besucher zu finden, die die prächtigen rosa blühenden Kirschbäume sehen wollen.

Chiyoda

Tokio Kaiserpalast

Ein Wachgebäude in den kaiserlichen Palästen

Genau in der Mitte Tokios gelegen sieht man auf der Karte eine grüne Insel. Sie ist das Areal des kaiserlichen Palastes. Die Palastgebäude selbst können nur durch eine kostenlose Führung besichtigt werden, die täglich (außer sonntags und montags) um 10:00 Uhr und 13:30 Uhr stattfinden. Eine Anmeldung ist vorab möglich, man kann – etwas Zeit mitgebracht – aber auch ca. eine halbe Stunde vor diesen Führungszeiten am Kikyo-mon Gate sich für diese Führung anstellen.

Der Palast selbst ist jedoch nicht unbedingt so, wie man sich einen japanischen Kaiserpalast vorstellt. Da die Paläste im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, sind sie in der Nachkriegszeit eher praktisch als pompös wieder aufgebaut worden, aus Stahlbeton. Die wirklich schönen Paläste findet man in der ehemaligen Hauptstadt Kyoto. Die Führung ist jedoch ein Highlight an sich. Die Gruppe ist sehr groß und unzählige Wärter versuchen die Touristenschar im Zaum zu halten. Japanische Koordiniertheit trifft hier auf Touristen im Kampf um das beste Instagram-Foto – ein wirklich faszinierendes Schauspiel!

Tokio East Gardens

die kaiserlichen Gärten

Ebenfalls auf dieser Insel und den ganzen Tag kostenlos öffentlich zugänglich sind die East Gardens. Der Park besticht durch seine bunten Blumenfelder und schönen Fischteiche. Nach der Palasttour ein schöner Ort der Ruhe. Wir waren kurz vor letztem Einlass im Park und hatten so den Park fast für uns allein und dennoch genügend Zeit alles zu sehen.

Vom Kaiserpalast führt eine kurze, breite Straße zur Tokyo Station, dem Hauptbahnhof Tokios. Während des Aufenthalts in Tokio wird dieser Bahnhof von uns wahrscheinlich gar nicht genutzt werden (außer für den Kaiserpalast), doch fast alle Shinkansen-Züge in andere Städte starten von hier. Der Bahnhof selbst hat einen schönen Vorplatz, der von vielen Japanern zur Mittagspause genutzt wird. Mit einer Bento Box ausgestattet kann man hier also mittags sehr gut das Treiben am und vor dem Bahnhof beobachten.

Akihabara

Tokio Akihabara

Akihabara bei Nacht

Wer an Japan denkt, denkt natürlich auch an Anime und Videospiele. Und Akihabara ist das Viertel schlechthin dafür. Die wirklich Attraktivität Akihabaras kommt erst nach Sonnenuntergang heraus. Meterhohe Leuchtreklame erleuchtet die Straßen, aus den Lautsprechern quieken die Stimmen von Anime-Figuren und auf der Straße selbst wird man alle paar Meter verteilen verkleidete Anime-Girls Flyer. In Akihabara gibt es Geschäfte, die auf acht Stockwerken Anime-Figuren verkaufen. Man kann Videospiele spielen und es gibt Läden, die nur aus Greifarm-Automaten bestehen. Dazwischen immer wieder mal ein kleiner Laden, der Frozen Yogurt verkauft, das muss als Stärkung reichen. Auch das Rotlichtviertel liegt in Akihabara, fällt aber typisch japanisch viel dezenter aus als in europäischen Städten.

Direkt am Bahnhof von Akihabara gelegen findet man auch das Einkaufszentrum Yodobashi. Wer dachte, Elektronikläden in Deutschland seien groß, wir hier eines besseren belehrt. Acht Stockwerke voll mit Kühlschränken, Fernsehern, Staubsaugern und alles andere, was einen Stecker hat. Geheimtipp: Der Yodobashi-Markt hat einen Food Court im obersten Stockwerk. Hier gibt es verschiedenste Restaurants, von typisch japanisch über indisch bis zu europäischen Gerichten.

Nur ein paar Straßen östlich von Akihabara kann man dem Trubel aber entrinnen und man findet viele kleine sehr typische japanische Restaurants (für die mutigen, da es oft keine englische Karte gibt).

Asakusa

Tokio Asakusa

das Eingangstor des Asakusa Schreins

Backpacker trifft Tradition im Viertel Asakusa. Die Hauptattraktion des Viertels ist der Asakusa-Schrein, der älteste in Tokio. Der Schrein selbst ist riesig groß und strahlt in kräftigem Rot. Er ist ein Pilgerort für viele Japaner. Ein kleiner Koiteich und einige kleinere traditionelle Gebäude machen diesen Bereich zu einem ganz besonderen Ort, der immer auch sehr belebt ist. Tolle Bilder lassen sich auch von der Mischung aus Tradition und Moderne machen. Direkt hinter dem Schrein-Gelände ragt der Tokyo Skytree über 600m in den Himmel.

Vor dem Tori (dem Eingangstor des Schreins) liegt ein kleiner Markt, der heutzutage allerdings hauptsächlich touristische Souvenirs anbietet. In der quer zum Markt verlaufenden Marktstraße gibt es unter anderem viele Kimono-Verleihe.

Tokio Asakusa

ein Nebengebäude des Asakusa Schreins

Wer allerdings denkt, dass dies nur für ausländische Touristen ist, liegt falsch. Auch viele junge Japaner pilgern zum Asakusa-Schrein in geliehenem Kimono. Im Kimono zu diesem Schrein zu gehen ist für die Japaner so wie für uns in Lederhose und Dirndl auf das Oktoberfest zu gehen (auch wenn dieser Vergleich wahrscheinlich mehr als schlecht ist).

In den Straßen westlich des Schreins liegt das Backpacker-Viertel Tokios. Viele Hostels und Herbergen bieten hier Unterkünfte zu günstigen Preisen an. Viele Restaurants mit auch westlichen Gerichten werben um ihre Kunden. Wer also nicht von japanischer Küche überzeugt ist, sollte einen Blick auf dieses Viertel werfen.

Tsukiji

Tsukiji liegt ein wenig außerhalb verglichen mit den anderen Stadtvierteln, ist aber dennoch ein sehr bekanntes Viertel; dank seines Fischmarktes.

Tokio Tsukiji Fischmarkt

Kugelfisch im Angebot

Da Tsukiji direkt am Hafen liegt, ist hier traditionell der Platz, wo der frisch gefangene Fisch an die Händler gebracht wird. Auch wenn der Fisch heutzutage eher per LKW als per Schiff angeliefert wird, dreht sich hier weiterhin fast alles um Fisch.

Der eigentliche Markt ist im Oktober 2018 auf eine kleine Insel östlich von Tsukiji umgezogen und heißt nun Toyosu Fish Market. In diesen neuen Markthallen finden nun die Fischauktionen statt. Besucher können ab Anfang 2019 den Auktionen kostenlos beiwohnen, frühes Aufstehen vorausgesetzt (die Auktionen starten um ca. 4:30 Uhr morgens und gehen bis maximal 6:00 Uhr).

Mindestens genauso spannend sind jedoch die Tsukiji Outer Markets, die bis zum Umzug des Fischmarktes direkt vor den Markthallen lagen.

Tokio Tsukiji

in den Tsukiji Outer Markets

Die Outer Markets sind an ihrem Platz geblieben und bieten alle Lebensmittel an, die man in Japan bekommen kann. Auch Kochutensilien wie Woks werden hier verkauft. Zwischen den Marktständen in den engen Gassen findet man kleine Restaurants, die sich für eine Mittagspause bei Einheimischen wie Touristen eignen. Ein wenig Geduld muss man hier jedoch mitbringen, denn oft muss man mittags eine Weile auf einen freien Platz warten, die Schlangen gehen nicht selten bis vor die Tür.

Tokio ist eine faszinierende Stadt und hat noch viel mehr zu bieten als die hier beschriebenen Stadtviertel. Wir hätten nie gedacht, dass man für eine Stadt eine Woche benötigen könnte, um alles von ihr gesehen zu haben. In Tokio aber ist das möglich.

Anreise

Tokio kann man über zwei Flughäfen anfliegen: Narita und Haneda. Während Narita der größere Flughafen ist, ist er auch viel weiter von Tokio entfernt als Haneda. Ein Taxi in die Innenstadt ist daher viel teurer und auch Transferzüge sind teurer und benötigen mindestens eine Stunde in die Stadt. Wir bevorzugen daher Haneda. Eine Monorail bringt euch zur Yamanote Line, die kreisförmig alle wichtigen Stadtviertel verbindet. Auch der Japan Rail Pass kann bereits auf der Monorail eingesetzt werden.

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Unterkunft

Durch die vielen verschiedenen Stadtviertel kann man sich beruhigt ein Hotel aussuchen. Es gibt eigentlich keine schlechte Location. Wichtig wäre die Nähe zu einer Bahnlinie. Wir haben in Tokio in Akihabara gewohnt, im Washington Akihabara.

Reisezeit

Sommer und Winter sind etwas ausgeprägter als in Deutschland, es kann im Sommer also heißer werden und im Winter kälter als hier. Die mit Abstand beliebteste Reisezeit ist der April während der Kirschblüte. Hier sind allerdings auch die Hotel- und Flugpreise vergleichsweise höher, wenn man nicht frühzeitig gebucht hat.

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