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Schwetzingen – Kurfürstlicher Glanz in der Rhein-Neckar Region

 Seit einigen Jahren wohnen wir nun gemeinsam in Schwetzingen, im Nordwesten Baden-Württembergs. Zugegeben, keiner von uns kommt aus dieser Region und daher war uns Schwetzingen auch gar kein Begriff. Tatsächlich entpuppt sich die Stadt jedoch als kleine Perle inmitten bekannter Städte wie Heidelberg oder Mannheim.

Schwetzingen Orangerie

in der Orangerie sind die Original-Statuen ausgestellt

Zentraler Punkt von Schwetzingen ist das barocke Schloss im Zentrum der Stadt. Ein Schloss gab es schon seit dem 14. Jahrhundert in Schwetzingen, doch Kriege zerstörten die Bauten immer wieder. Das Schloss in seiner heutigen Form wurde als Sommerresidenz von Kurfürst Carl Theodor errichtet. Seine eigentliche Residenz war das Mannheimer Schloss, welches nur wenige Kilometer von Schwetzingen entfernt zu finden ist. Der eigentliche Star des Schlosses ist jedoch sein riesiger Schlossgarten, der neben landschaftlichen Akzenten auch Bauwerke aus verschiedenen Kulturen und Epochen beherbergt.

 

Kurfürst Carl Theodor ist übrigens kein unbeschriebenes Blatt, was Parks und Gärten angeht. 25 Jahre nach Fertigstellung des Schwetzinger Schlossgartens erbte er das Kurfürstentum Bayern. Von Bayern nicht so angetan wollte er es ursprünglich gegen die Niederlande tauschen, doch als dies fehlschlug beschäftigte er sich mehr mit seinem „Erbstück“ und entschied, in München einen Park für das Militär zu schaffen: der heutige Englische Garten.

Schwetzinger Schloss

Schwetzingen Schlossplatz

Schlossgarten und Schlossplatz von oben

Im ersten Moment scheint es ungewohnt, dass man für einen Schlossgarten Eintritt bezahlen muss, andere Parks wie der eben genannte Englische Garten oder der Schlosspark in Nymphenburg sind schließlich kostenfrei. Doch nur durch die Eintrittsgelder kann man es schaffen, die Anlage in einem solch gepflegten Zustand zu halten. Den Schlossgarten betritt man durch das zentrale Eingangstor des Schlosses, welches im Inneren eine Ausstellung über das Leben im barocken Zeitalter beherbergt. Direkt nach dem Eingang erstreckt sich der gesamte Schlossgarten vor dem Besucher. Links und rechts reichen Flügelbauten im Halbkreis um den ersten Teil des Gartens. Die Flügelbauten bieten Platz für verschiedene Säle, die auch für Konzerte und Ausstellungen, aber auch für private Feiern genutzt werden. Die SWR3 Festspiele machen Schwetzingen einmal im Jahr für mehrere Wochen zum Ausrichter vieler klassischer Konzerte.

 

Ebenfalls in die Flügelbauten eingebettet liegt das bekannte Schwetzinger Rokokotheater. Hier finden die wichtigsten Klassik-Konzerte statt. Das Rokoko-Theater ist eines der am besten erhaltenen Theater im Rokoko-Stil und war bereits auch Bühne für Aufzeichnungen von MTV Konzerten. Wer die Möglichkeit hat und ein wenig Muße für klassische Musik übrig hat, sollte sich unbedingt ein Konzert in diesem einzigartigen Theater gönnen.

Der Schlossgarten

Schwetzingen Aquädukt

Das Aquädukt

Die große Mittelachse lädt dazu ein, den Schlossgarten gerade hinunter zu laufen, doch es sind die versteckten Ecken, die den Park so besonders machen. So sollte man zum Beispiel im Sommer nicht den Bereich des Badehauses missen. Kurfürst Carl Theodor schuf ein eigenes Badehaus mitten im Schlossgarten, mit eigenem Arbeitszimmer. Immer noch gut erhalten kann man hier sehen, wie ein – zugegeben luxuriöses – Badezimmer im 18. Jahrhundert ausgesehen hat. Direkt am Badehaus angeschlossen ist das Gelände „Ende der Welt“. Ein kleiner Weg führt durch einen Springbrunnen mit Vogelvolieren vorbei zu einem langen Gang, an dessen Ende ein Kunstwerk von Sonnenlicht beleuchtet wird. Der Begriff „Ende der Welt“ kommt daher, dass dieses Gemälde den Eingang zum Paradies darstellen soll.

Schwetzingen Merkurtempel

der Merkurtempel

Ein weiteres verstecktes Highlight des Schlossgartens ist das römische Aquädukt, welches sich in der Nähe des „Endes der Welt“ befindet. Natürlich ebenfalls erst im 18. Jahrhundert erbaut, kann man vom höchsten Punkt des begehbaren Aquädukts über die Felder die Umrisse Mannheims sehen. Der große Teich am anderen Ende des Schlossgartens markiert das westliche Ende des Gartens. Am südlichen Ende befindet sich der Merkurtempel, ein Turm, der absichtlich so gebaut wurde, als wäre er tausende Jahre alt. Allerdings wurde er wohl zu detailgetreu gebaut, denn oft sieht man ihn eingerüstet, da er ausgebessert werden muss – ganz wie ein echter Tempel aus der Antike eben.

Die Schwetzinger Moschee

Das größte und bekannteste Gebäude jedoch ist die Moschee im südlichen Teil des Gartens. Kurfürst Carl Theodor interessierte sich für Architektur verschiedener Epochen und Kulturen und wollte diese im Garten seiner Sommerresidenz zusammenführen. So durfte auch eine Moschee nicht fehlen. Die Moschee ist nicht geweiht und kann daher für religiöse Zwecke nicht genutzt werden. Sie ist vielmehr ein Symbol für das Interesse Carl Theodors an der Architektur. Sie ist begehbar, hat im Inneren allerdings nicht so viel Glanz zu versprühen wie von Außen. Viel sehenswerter ist jedoch der kleine Garten, der sich an die Moschee anschließt. Auch die Vorderseite der Moschee ist für ein Foto gut, insbesondere von der anderen Seite des Teichs, in dem sich die Moschee bei guten Wetter spiegelt.

Schwetzingen Moschee

Die Moschee im Schwetzinger Schlossgarten

Wenn ihr euch fragt, was für Bäume hinter der Moschee angepflanzt sind, dann kommt im April nach Schwetzingen: es sind Kirschbäume! Für etwa zwei Wochen im Jahr ist genau diese Ecke des Gartens die beliebteste, denn die rosa blühenden Kirschbäume locken viele Besucher, insbesondere asiatische Familien an, die unter den bunten Bäumen sich zum Picknick treffen.

Im Sommer lockt der Schlossgarten auch mit Open Air Konzerten. Sänger wie Milow, Anastacia, BAP waren bereits im Schlossgarten, im Jahr 2019 werden es u.a. PUR und ZAZ sein.

Schlossplatz und Fußgängerzone

Schwetzingen Schlossplatz

auf dem Schlossplatz kann man sich gut stärken

Auch wenn der Schlossgarten zweifelsohne der Anziehungspunkt Schwetzingens schlechthin ist, sollte man auch einen kleinen Spaziergang durch den Ort selbst machen. In der Fußgängerzone auf der Mannheimer Straße findet man nicht unbedingt andere Läden als in anderen Orten. Doch es ist die entspannte Atmosphäre, die Schwetzingen so besonders macht. Die Architektur des Ortes ist mit der Sommerresidenz des Schwetzinger Schlosses abgestimmt. Sie zwingt geradezu die Bürger und Besucher dazu, einen Gang herunter zu schalten.

A propos herunterschalten: Der Schlossplatz vor dem Schwetzinger Schloss ist der Treffpunkt schlechthin für die Schwetzinger. Man trifft sich auf einen Kaffee, ein Abendessen oder – hier sehr beliebt – zu einem ausgiebigen Frühstück. Der Schlossplatz selbst ist eigentlich der zentrale Verkehrspunkt des Ortes, wurde zum Wohle der Besucher jedoch verkehrsberuhigt. So kriechen die Autos nun mit Schrittgeschwindigkeit über den Platz, da oft auch gerne geblitzt wird. Gerade für Motorradfahrer und Busse eine Herausforderung.

Zur Spargelzeit blüht Schwetzingen erst recht auf. Denn Schwetzingen ist eines der größten Spargelanbaugebiete in Deutschland. Und gerade in den Restaurants auf dem Schlossplatz gibt es dann Spargel in allen möglichen Ausführen: gekocht, gebraten, als Burger etc.

Schwetzingen kennen wahrscheinlich nicht viele. Und dennoch ist der Ort ein Besuch wert, vor allem weil man ihn gut zu einem Wochenende mit dem Besuch Heidelbergs, oder einer Veranstaltung auf dem nur fünf Minuten entfernten Hockenheimring verbinden kann. Schwetzingen ist außerdem noch Schauplatz für Ingenieursgeschichte. Denn sowohl die erste Autofahrt von Bertha Benz als auch die erste Fahrt der Draisine – dem Vorgänger des Fahrrads – führten durch Schwetzingen. Werdet ihr auch ein Fortbewegungsmittel erfinden, um nach Schwetzingen zu kommen?

Anreise

Schwetzingen kann man am besten mit der Bahn erreichen. Mannheim und Heidelberg sind die am nächsten gelegenen Fernbahnhöfe. Von Mannheim geht ein Zug jede halbe Stunde nach Schwetzingen. Von Heidelberg besteht eine Busverbindung.

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Unterkunft

Zentral auf dem Schlossplatz gelegen ist das Hotel zum Erbprinzen. Aber auch andere Hotels und Gästehäuser liegen in Fußnähe zum Schlossplatz. Schwetzingen ist auch eine alternative zum teuren Heidelberg, wenn man auch Heidelberg besuchen möchte. Von Schwetzingen aus ist man in maximal 30 Minuten in Heidelberg.

Reisezeit

Schwetzingen ist besonders im Frühling und Sommer ein Genuss. Dann spielt sich das ganze Leben im freien ab und Einheimische und Besucher bevölkern Schlossgarten und Schlossplatz.

 

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