NordeuropaStädtereise

Riga, eine Stadt zum Schlendern

Riga Schwarzhäupterhaus

Aus beruflichen Gründen können wir im Moment keine größeren Reisen unternehmen. Das soll aber nicht bedeuten, dass wir die ganze Zeit nur zuhause sitzen. Irgendwann fällt einem einfach die Decke auf den Kopf. Was also tun? Wochenendtrips! 

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Wenn wir nach einem Ziel für Wochenendtrips suchen, dann schauen wir zuerst auf die Flüge. Wie lange fliegt man? Steht das in irgendeinem Verhältnis zu der Zeit, die man vor Ort hat? Und, ganz wichtig: wie sind die Flugzeiten? Muss man also samstags um 4 Uhr morgens am Flughafen stehen, dafür dass man am Sonntag um 10 wieder zurück fliegt? 

So sind wir auf Riga gekommen. Das Baltikum war bis jetzt ein weißer Fleck auf unserer Landkarte, also warum nicht? Riga war 2014 immerhin Kulturhauptstadt Europas. Also  geht es Freitagabend gemütlich um 19:00 Uhr los. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das Publikum im Flieger: so viel mitgebrachten Alkohol sieht man selten. Liegt aber vielleicht auch daran, dass Alkohol – ähnlich wie in Skandinavien – in den baltischen Ländern verhältnismäßig teuer ist. 

Vom Flughafen Riga aus ist es eine kurze Taxifahrt zum Stadtzentrum, wir haben 12,30€ gezahlt. Für absolute Sparfüchse lohnt sich dagegen der Transfer mit dem Bus. Ein Ticket kostet hier 2,00€ oder 1,15€, wenn man es vorbucht. 

Unser Hotel war direkt am Rand der Altstadt, sodass wir Samstagvormittag nach einem guten Frühstück direkt losstiefeln konnten. Wir schlagen auf unserem Blog ja gerne Routen für Spaziergänge vor, aber hier ist der beste Tipp, einfach mal loszugehen. Jede kleine Gasse bietet ihre eigenen Sehenswürdigkeiten, also lasst euch einfach mal treiben. Zwischen den bunten Fassaden und den lebhaften Plätzen findet jeder sein eigenes Highlight. 

Natürlich gibt es trotzdem ein paar Dinge, die ihr nicht verpassen solltet (aber wahrscheinlich werdet ihr sowieso daran vorbeischlendern).  

Jakobs Baracken

Riga Jakobs Baracken

Am nördlichen Rand der Altstadt sind die Jakobs Baracken fast nicht zu übersehen. Eine lange gelbe Häuserreihe, die heute einige Cafes und Bars beheimatet, wurde wie der Name vermuten lässt seit den 1880er Jahren von verschiedenen Armeen genutzt. An einem Ende der Barracke findet man noch einen alten Pulverturm, der heute als Kriegsmuseum dient. Etwa auf halber Höhe der gelben Häuserzeile ist das Schwedische Tor. Es ist das letzte erhaltene von ursprünglich acht Stadttoren in der alten Stadtmauer von 1698. 

Drei Brüder

Nicht weit entfernt sind die drei Brüder. Diese drei Wohnhäuser stammen teilweise aus dem 15. Jahrhundert und wurden der Legende nach von Männer aus einer Familie erbaut – daher der Name. Das älteste der drei wurde um 1490 als Werkstatt und für den Handel erbaut. Das mittlere, von 1646, ist um einiges reicher verziert und es wurde auch im Inneren Wert auf Wohnkomfort gelegt. Das jüngste, aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert, war praktisch ein reines Wohnhaus. Heute befindet sich hier passenderweise das Museum für Architektur. 

Das Schloss von Riga

Riga SchlossAm Ufer des Flusses Daugava liegt das Rigaer Schloss. Der Grundstein wurde zwar schon 1330 gelegt, aber durch die verschiedenen Kriege wurde es mehrmals zerstört und zwischendurch von polnischen, schwedischen und russischen Besatzern genutzt. Heute ist das Schloss der Wohnsitz des lettischen Präsidenten.

Das Schloss liegt am äußersten Rande der Altstadt. Von hier sind es auch nur ein paar Minuten zum Flussufer oder zur anderen Seite des Flusses, wo euch dann wieder das Riga des Hier und Heute erwartet. Von einigen Rooftop Bars habt ihr gerade beim Sonnenuntergang einen tollen Ausblick auf die Altstadt.

Der Dom zu Riga

Riga DomSchlendert man weiter, kommt man zum Dom. Der Dom zu Riga ist die größte Kirche im Baltikum und wurde um 1200 erbaut. Innen eher schlicht gehalten, beeindrucken die Kanzel und die vielen Mosaikfenster ganz besonders. Am Domplatz, genau wie an den vielen anderen kleinen Plätzen der Altstadt finden sich viele kleine Restaurants und Bars, wo man ein bisschen seine Füße ausruhen und die Atmosphäre genießen kann.

Der Domplatz ist ein idealer Treffpunkt für Einheimische. Ein kleiner Spielplatz mit Fabelfiguren ist hier auch zu finden.

Schwarzhäupterhaus

Riga SchwarzhäupterhausBekannt ist von Riga wahrscheinlich der Rathausplatz mit dem Schwarzhäupterhaus. Die Bruderschaft der Schwarzhäupter, unverheiratete junge Kaufleute, nutzen das Gebäude nicht nur um den Handel in Riga voranzutreiben, sondern waren auch für ihre verschiedenen Feierlichkeiten bekannt, die das Haus zu einer der wichtigsten Kulturstätten machten. Im zweiten Weltkrieg komplett zerstört, strahlt es seit den 90ern wieder in altem Glanz und wird auch heute noch für kulturelle Veranstaltungen genutzt. 

Der Rathausplatz ist auch – neben dem oben erwähnten Domplatz – einer der zentralen Plätze der Altstadt. Die Touristeninformation im Schwarzhäupterhaus hilft euch auch bei der Suche nach einer Tour, Unterkunft oder einem Ausflug.

Bremer Stadtmusikanten

Riga StadtmusikantenAn der Petrikirche entdeckt man vielleicht etwas Unerwartetes: die Bremer Stadtmusikanten. Wer in Geschichte gut aufgepasst hat, der erinnert sich vielleicht noch, dass Riga tatsächlich Mitglied der Hanse war. Deswegen ist Bremen heute noch Partnerstadt und hat Riga die kleine Statue ihres Wahrzeichens zum Geschenk gemacht. Angeblich bringt es Glück, wenn man die Schnauzen der Tiere reibt und je höher man kommt, desto mehr Glück. Die Kirche selbst ist UNESCO Weltkulturerbe und man kann auch heute noch Teile der ursprünglichen Architektur aus dem 13. Jahrhundert sehen. Der sakrale Innenraum ist auch eine wunderschöne Kulisse für die regelmäßig stattfindenden Konzerte. 

Zentralmarkt

Besonders interessant ist der Zentralmarkt, etwas abseits in vier großen Zeppelinhallen gelegen. Vor den Hallen gibt es kleine Stände, an denen man von lokalen Bauern Obst und Gemüse kaufen kann. Weiter hinten gibt es Blumen, Klamotten, Kochgeschirr und alles Mögliche. Die Atmosphäre hier erinnert doch sehr an sowjetische Zeiten. In den Hallen selber findet man in jeder etwas anderes. In einer gibt es wieder Obst und Gemüse, in einer anderen frischen Fisch. Eine Halle ist praktisch ein großer Foodcourt, in dem die frischen Produkte zu leckeren Gerichten weiterverarbeitet werden. Spannend wird es samstags um 13 Uhr. Dann wird an einem der Essensstände ein riesiger Thunfisch zerlegt. Ist vielleicht nicht unbedingt etwas für Menschen mit schwachem Magen, aber sehr imposant zu sehen. 

Basilika

Riga BasilikaDen Sonntagvormittag spazieren wir von unserem Hotel in die andere Richtung, Richtung Neustadt. Über die Brücke mit dem Unabhängigkeitsdenkmal geht es zur Geburtskathedrale. Die größte orthodoxe Kirche der Stadt hat auch schon als Observatorium und als Restaurant gedient. Nachdem die Kirche beide Weltkriege überstand, wurden anschließend von den russischen Besatzern die Kreuze entfernt und die Glocken eingeschmolzen. In den 1990ern wurde mit der Restauration begonnen und der Innenraum erstrahlt wieder in prächtigem blau und ist über und über verziert mit orthodoxer Ikonographie. 

Jugendstil Viertel

Riga JugendstilviertelNachdem wir in der Altstadt viele barocke Gebäude gesehen haben, spazieren wir heute in Richtung Jugendstil. Gerade um die Alberta iela (Albertstraße) herum sind die Häuser reich verziert mit Blumen, Statuen, und geschwungenen Ornamenten. Zusammen mit der Altstadt zählt das Viertel mit seinen etwa 800 Jugendstilgebäuden zum UNESCO Weltkulturerbe. Gleichzeitig zählt es auch zu den gefährdeten Welterbe-Stätten, weil sich Riga wie andere Städte auch kaum gegen Modernisierung wehren kann. 

Nach einem kleinen Mittagessen geht es auch schon wieder zurück zum Flughafen. Die eineinhalb Tage waren ein guter Weg, um mal ins Baltikum „reinzuschmecken“. Nächstes Mal geht es dann noch in die Umgebung zum Freiluftmuseum. 

Anreise

Der Flughafen von Riga ist nur 20 Minuten von der Innenstadt entfernt. Insbesondere die hier ansässige Airline Air Baltic verbindet Riga zu günstigen Preisen mit dem Rest Europas.

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Unterkunft

Wunderbar praktisch zwischen Altstadt und Neustadt gelegen ist das Hotel Roma, welches für sehr günstige Preise tolle Zimmer und ein Frühstück anbietet.
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Reisezeit

Lettland liegt weitaus nördlicher als Deutschland. Daher wird es hier auch erst später im Jahr warm. Die ideale Zeit für Lettland ist im Sommer. Wir haben Riga Anfang April besucht und hatten Glück mit dem Wetter. Wir hätten aber genauso gut noch Schneefall mitbekommen können.

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