Wer kennt nicht die Aufnahmen der grünen, roten oder lila Polarlichter, die sich wie Schlangen über den dunklen Sternenhimmel vor verschneiter Bergkulisse ziehen? Und wer hat nicht davon geträumt, dieses Feuerwerk der Natur mal selbst erleben zu dürfen?

Wir gehören zu der Gruppe auf jeden Fall dazu. Außerdem ist uns aufgefallen, dass wir noch nie gemeinsam im Schnee waren (der graue Matsch auf mitteldeutschen Straßen mal ausgenommen).

Also auf nach Lappland!

Über unsere Reise auf die Lofoten und nach Schweden berichten wir noch anderswo. Hier soll es ganz speziell um die Nordlichter gehen.

Polarlichter oder Nordlichter?

PolarlichterDie Begriffe werden oft synonym verwendet, wobei Polarlicht der Oberbegriff ist. Die Lichter gibt es schließlich auch auf der Südhalbkugel. Hier heißen sie dann Aurora australis, im Gegensatz zu Aurora borealis auf der Nordhalbkugel. Aber auch australis kann irreführend sein. Obwohl es für uns so scheint, als wäre Australien schon ziemlich weit im Süden, ist es immer noch zu weit entfernt von der Polarregion, als dass man realistisch Polarlichter sehen könnte. Nur zum Vergleich: Hobart auf Tasmanien liegt auf knapp 43° südlicher Breite. Auf 43° nördlicher Breite finden wir Städte wie Monaco, Florenz oder Split. Dort ist, wahrscheinlich, noch keiner hingefahren, weil ihm von Polarlichtern vorgeschwärmt wurde (oder er sollte dringend sein Geld zurück verlangen 😊).

Merke also: Polarlichter gibt es an beiden Polen, nur sieht man die im Süden meist tatsächlich nur in der Antarktis.

Was, wie, wann und wo?

Polarlichter Lofoten StrandWas sind eigentlich Polarlichter und wie entstehen sie? Für Polarlichter braucht es Sonnenaktivität. Zuerst einmal widersprüchlich, da man sie ja nur nachts sehen kann. Aber tatsächlich sind starke Sonnenwinde für das Schauspiel verantwortlich. Wenn elektrisch geladenen Teilchen des Sonnenwinds auf Sauerstoff- und Stickstoffatome in den oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen, ionisieren diese. Nehmen sie dann wieder ihren Ursprungszustand an, wird Licht ausgestrahlt.

Warum sieht man sie nur an den Polen? Die Region, in der die Lichter sichtbar sind, hängt mit der Stärke der Sonnenaktivität zusammen. Grob gesagt, je stärker der Sonnenwind, desto weiter entfernt von den Polen kann man hier Lichter sehen. Der sogenannte KP-Index beschreibt die Teilchenstrahlung des Sonnenwindes auf einer Skala von 0 bis 9. In Regionen nah an den Polen reicht oft schon ein Wert von 1, um schöne Polarlichter zu sehen. Bei Werten von 8 oder 9 werden die Lichter sehr intensiv und können bis Mitteleuropa sichtbar sein.

Wann sieht man sie am besten? Im Jahresverlauf kann man sagen, dass die besten Chancen auf Polarlichter auf der Nordhalbkugel hauptsächlich im Herbst bis zum späten Winter, also Oktober bis März, bestehen. Denn zusätzlich zu einem starken Sonnenwind braucht es vor allem Dunkelheit; und von der gibt es während der Polarnacht wirklich genug.

kleine PolarlichterWelche Farben haben Polarlichter? Auf Bildern und Videos, die einem so über den Weg laufen, sehen die Lichter meist sehr spektakulär und farbenfroh aus. Grundsätzlich treten Polarlichter in grün, rot oder lila auf. Je nachdem, welche Atome in welcher Höhe reagieren. Im Vergleich zu den bunten Bildern kann die Realität aber oft nicht mithalten. Das menschliche Auge ist im Dunklen beim Farbensehen leider recht unsensitiv; das führt dazu, dass die Polarlichter eher nur als Farbschimmer oder ganz in grau wahrgenommen werden. Wir hätten die Polarlichter zwischen all den Regenwolken gar nicht wahrgenommen, wenn das Paar neben uns nicht auf einmal ganz aufgeregt angefangen hätte, das Fotoequipment aufzubauen. Nach einer Probe-Aufnahme auf der Kamera wussten wir, da passiert grad was am Himmel.

Um nicht jedwede Motivation zu zerstören: im Laufe eines Abends wird das Auge aber auch geschult und man erkennt die Farben besser. In wolkenlosen Nächten und bei höheren KP-Wert sieht es auch wieder viel besser aus. Im Zweifelsfall, einfach kurz ein Probefoto schießen, dann ist man sich sicher.

Auf Polarlicht-Jagd

Polarlichter hinter WolkenIhr möchtet also auf Polarlicht-Jagd gehen und habt euch für eine Reise in die Polarregion entschieden. Was braucht es an konkreter Vorbereitung, was solltet ihr einpacken?

With a lilttle help from my (digital) friends. Auf Satellitenaufnahmen sieht die Sonne zwar immer recht brodelnd aktiv aus, aber ergeben sich daraus wirklich immer Polarlichter? Und wie sieht es mit der Bewölkung aus? Da wir Neulinge waren, was Nordlichtbeobachtungen angeht, haben wir uns eine Vorhersage-App runtergeladen, damit wir nicht umsonst im Dunkeln in der Kälte stehen. Uns hat die App Aurora sehr gut gefallen. Sie ist kostenlos für Apple und Android und funktioniert entweder über GPS oder über manuelle Eingabe eines Standortes (so konnten wir schon Wochen vorher mitfiebern, wie sich alles entwickelt 😊). Es wird der KP-Wert angezeigt, die aktuelle Wolkenbedeckung und die daraus berechnete Wahrscheinlichkeit, in der näheren Zukunft (2h) Polarlichter zu sehen. Eine super Hilfe, auch wenn man sich nicht zu 100% darauf verlassen sollte. Uns wurde eine Wolkenabdeckung von 92% vorhergesagt, aber wir sind trotzdem rausgefahren und in den doch recht zahlreichen Wolkenlücken und Regenpausen konnten wir die Lichter sehen.

Selfie mit PolarlichternIm Dunkeln ist gut munkeln. Es ist zwar Polarnacht und seit dem frühen Nachmittag stockduster. Trotzdem wollt ihr es immer noch dunkler. Städte oder andere künstliche Lichtquellen verursachen meist so viel Lichtverschmutzung, dass zarte Polarlichter dagegen nicht ankommen und vom menschlichen Auge nicht zu sehen sind. Sucht euch deswegen einen Ort mitten im Nirgendwo, wo man außer den Sternen kein weiteres Licht hat. Zusatztipp: es ist sehr hilfreich, wenn ihr euren ausgewählten Fotospot schon mal im Hellen auskundschaftet. Dann sollte die Stolperei in der Nacht nicht ganz so viel werden.

Ich packe meinen Koffer und es kommt rein… Zuerst sei mal gesagt, ihr fahrt in die Polarregion, da sind warme Sachen absolut unerlässlich. Eine Winterjacke, feste Schuhe, eine Mütze und Handschuhe (mit denen ihr die Kamera bedienen könnt), sind das absolute Minimum. Auf den Lofoten hatten wir es wegen dem Golfstrom recht warm und diese Ausrüstung war tatsächlich ausreichend. Im Landesinneren, bei -20°, braucht es dann auch die Skihose, Thermounterwäsche und evtl. eine Taschenheizung. Denkt dran, es kann sein, dass ihr relativ lang einfach rumsteht.

Eine kleine Taschen- oder Kopflampe kann sehr hilfreich sein, wenn ihr vom Parkplatz zu eurem Fotospot laufen oder etwas am Kameraobjektiv verstellen wollt. Aber Achtung, falls mehrere Leute da sind. Fragt dann lieber nach, bevor ihr die Lampe anschaltet, bevor ihr den Unmut aller umstehenden Fotografen auf euch zieht (Stichwort Langzeitbelichtung).

Polarlichter Lofoten StrandNatürlich: Kamera-Equipment. Ihr braucht eine sehr lichtstarke Kamera im manuellen Modus und mind. einen Ersatzakku (die gehen bei den Temperaturen sehr schnell leer). Außerdem ein Stativ, da ihr lange belichten werdet. Für konkrete Tipps, wie man am besten Polarlichter fotografiert können wir den Blog-Artikel von Marat Stepanoff empfehlen. Denn, seien wir ehrlich, er ist Profi darin, wir üben noch 😊

Wer noch Platz im Rucksack hat, sollte auch eine Thermosflasche mit warmen Getränken und ein paar Snacks mitnehmen. Es kann dauern, bis sich die Lichter tatsächlich zeigen oder man möchte in einer Nacht zu mehreren Fotospots und ist lange unterwegs. Da freut man sich, wenn man sich zwischendurch ein wenig aufwärmen kann.

Polarlichter sind Natur und Natur kann sehr launisch sein. Ihr könnt also alle Blogs und Reisezeitschriften über Polarlichter lesen und alle Tipps befolgen, manchmal spielt die Natur einfach nicht mit. Das kann ziemlich frustrierend sein. Wir waren auch im selbsternannten „Polar Lights Capital of the World“ und hatten die ganze zeit stark bewölkten Himmel. Also nichts zu sehen.

Aber es gibt so viele Orte, an die man reisen kann und an denen man zusätzlich die Chance auf Nordlichter hat, da bleibt das Highlight eben für das nächste Mal. Norwegen, Schweden, Finnland, Russland, Island, Kanada, Alaska,… juckt’s schon im Reisepass?

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