NeuseelandRundreise

Neuseelands Nordinsel: das vulkanische Zentrum

Geschätzte Lesezeit: 11 Minuten

Nachdem wir uns bereits Auckland und die Region Far North sowie die Coromandel Halbinsel angeschaut haben, geht es nun ins Zentrum der Nordinsel Neuseelands. Die Mitte der Nordinsel ist geprägt durch ihre hohe vulkanische Aktivität. Überall dampft und blubbert es. Die Landschaft hier ist kaum mit einer anderen Landschaft auf der Welt zu vergleichen. Man kommt sehr nah an die Wunder vulkanischer Natur heran und erlebt die Kraft, die im Erdinneren schlummert, hautnah.

Rotorua

Neuseeland Zentrum Rotorua Thursday Night Market

Thursday Night Market in Rotorua

Die unbestrittene Hauptstadt der vulkanischen Wunder Neuseelands ist Rotorua, ca. drei Autostunden südöstlich von Auckland. Bereits beim Erreichen von Rotorua erwartet euch eine Überraschung, der Geruch des Schwefels, welches in den heißen Quellen in und um Rotorua freigesetzt wird, wird euch unweigerlich begrüßen. Man fragt sich, wie die Einwohner von Rotorua mit diesem nach faulen Eiern riechenden Dauerzustand leben können, doch auch ihr werdet merken, dass euch nach ein paar Minuten der Geruch nicht mehr auffallen wird.

Rotorua ist eine niedliche kleine Stadt am Rande des Lake Rotorua, ein Kratersee, der gleichzeitig der zweitgrößte See der Nordinsel ist. Gleichzeitig ist er aber bedeutend kleiner als Lake Taupo, den wir später noch besuchen werden. Die Einwohner Rotoruas sind stolz auf ihre Government Gardens, ein Stadtpark am Ufer des Lake Rotorua. Ein Blickfang ist das Rotorua Museum, eines der ältesten Gebäude der Nordinsel (mit etwas über 100 Jahren…). Im Museum selbst wird koloniale als auch Maori-Kunst ausgestellt.

Thursday Night Market

Wer zufällig an einem Donnerstag in der Stadt ist, sollte sich die Rotorua Night Markets nicht entgehen lassen. Neuseeland ist ein multikulturelles Land, das die kulturellen Unterschiede seiner Einwohner begrüßt. Genau dies kann man auch auf den Night Markets beobachten. Den Großteil des Marktes machen Essensstände aus allen Ländern aus. So wird hier neben japanischem Okonomiyaki auch spanische Paella oder Thai-Curry angeboten. Alles frisch am Marktstand zubereitet. Untermalt wird dieser Markt von Livemusik lokaler Bands.

Heiße Quellen

Das Rotorua Museum war ursrpünglich ein Badehaus. Die heißen Quellen in und um Rotorua wurden von den Maori bereits vor 700 Jahren als natürliches Bad genutzt. Heute gibt es in Rotorua selbst das Polynesian Spa, in dem man in heißen Pools mit Ausblick auf den Lake Rotorua sich entspannen kann. Ein kleiner Tipp von uns: Entspannen kann man sich hier vor allem vor 17:00 Uhr. Denn ab 17:00 Uhr kommen hier die Reisegruppen an und das Bad wird recht schnell sehr voll.

Redwoods Forest

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Direkt in der Nähe von Rotorua gelegen liegt der Redwoods – Whakarewarewa Forest. (Kleine Maori-Stunde: ‚wh‘ wird wie ‚f‘ ausgesprochen). Dieser dichte Regenwald hat seinen Namen von den riesigen Redwoods Trees, ähnlich denen im bekannten Sequoia Nationalpark in Kalifornien. Der Wald ist das Naherholungsgebiet von Rotorua schlechthin und bietet unzählige Wanderungen und Mountainbiketouren an. Highlights des Redwoods Forest sind der Treewalk, eine Wanderung in luftiger Höhe durch den Wald und die Baumkronen auf Hängebrücken, und die Redwoods Nightlights, bei dem der Wald in der Dunkelheit künstlich beleuchtet wird.

Um Rotorua wirklich erleben zu können, sollte man hier mindestens zwei Tage einplanen. Ähnlich wie in Waitangi ist Rotorua auch ein Zentrum der Maori-Kultur. Viele Maori-Dörfer haben hier ihren Ursprung. Das Dorf Te Puia ist eine Anlaufstelle für alle, die sich für die Traditionen der Maori interessieren. Hier kann man beispielsweise auch ein traditionelles Maori-Abendessen genießen.

Vulkanisches Wunderland

Neuseeland Zentrum Lady Knox Geysir

der Lady Knox Geysir

Wenn wir Rotorua in Richtung Süden verlassen erreichen wir nach einer knappen halben Stunde eines der bekanntesten und berühmtesten Highlights von ganz Neuseeland: Wai-O-Tapu Thermal Wonderland. Das große Areal beherbergt viele unglaubliche Zeugen vulkanischer Aktivität. Den Anfang, noch vor dem Eingang des Parks, machen die Mud Pools. Ein kleiner Schlammteich blubbert und köchelt dort vor sich her. Ebenfalls vor dem eigentlichen Park findet man den Lady Know Geysir, der täglich um 10.15 Uhr ausbricht. Wenn ihr euch fragt, wie ein Geysir immer so pünktlich sein kann (und sogar Sommer- und Winterzeit unterscheiden kann): Es wird nachgeholfen. Im 19. Jahrhundert fanden Insassen eines in diesem Gebiet gebauten Gefängnisses unfreiwillig heraus, dass Seife den Geysir zum Ausbruch bringt, als sie im Geysir ihre Wäsche waschen wollten.

Für den Geysir selbst braucht man bereits ein Ticket für den Wai-O-Tapu Park. Da natürlich kurz vor 10 Uhr der Ansturm auf die Kassen am größten ist, empfiehlt es sich, auf der Webseite des Parks Tickets bereits online zu kaufen. So könnt ihr den Stau vor den Kassen umgehen. Bei der Anfahrt zum Park könnt ihr dann direkt zum Geysir fahren (dieser liegt ca. drei Autominuten vom eigentlichen Park entfernt).

Neuseeland Zentrum Devil's Bath

Devil’s Bath

Der Wai-O-Tapu Thermal Wonderland Park ist ein Must-Do in Neuseeland. Keine Diskussion. Die Farbenspiele der einzelnen Teiche und Bäche sind weltweit einzigartig. Nirgendwo sonst kann man so hautnah erleben, welche auch kreative Kraft Vulkane haben können. In den Thermal Wonderlands werdet ihr verschiedene Seen sehen, die durch vulkanische Aktiviät und dadurch freigesetzte Mineralien eingefärbt worden sind. Devil’s Bath, zum Beispiel, leuchtet in grellem Grün, das Ufer des Champagne Pools ist knallorange. Aber auch gelbe Schwefelberge, weißen Kalk und viele weitere Farben (und Gerüche) erwarten euch in diesem faszinierenden Park.

Huka Falls

Neuseeland Zentrum Huka Falls

Huka Falls

Von Wai-O-Tapu aus geht es weiter Richtung Süden. Unser nächstes Ziel sind die Huka Falls. Die Huka Falls sind sehr bekannt, allerdings werdet ihr schnell merken, dass sie anders sind als andere Wasserfälle. Die Huka Falls sind eher mit Stromschnellen zu vergleichen, sie erstrecken sich über mehrere hundert Meter als eine Art Rampe durch eine Felsenschlucht. Für abenteuerlustige gibt es hier die Möglichkeit, die Huka Falls mit einem Jetboat hinunterzufahren.

Taupo

Nur kurz nach den Huka Falls erreichen wir Taupo, die größte Stadt im Zentrum der neuseeländischen Nordinsel. Taupo selbst dient als Ausgangspunkt für viele Ausflüge und Aktivitäten. Ein beliebter Nervenkitzel ist hier das Fallschirmspringen. Mit Aussicht auf den riesigen Lake Taupo und die Vulkane im Tongariro Nationalpark ein absolut magisches Erlebnis. Ob man im freien Fall aus über 10.000 Fuß dafür jedoch ein Auge übrig hat, ist die andere Frage.

Neuseeland Zentrum Lake Taupo

Mount Ngauruhoe und Mount Ruapehu vom Lake Taupo aus

Der nach der Stadt und Region benannte Lake Taupo ist wie der Lake Rotorua ein Kratersee, jedoch viel größer und viel älter. Das fast 200km lange Ufer des Sees dient oft auch als Strecke für Fahrradrennen und Triathlons. Der See selbst ist ein idealer Platz zum Segeln und Segeln lernen. Wir haben hier am Ufer des Lake Taupos während unserer Hochzeitsreise sogar zweimal eine Mittagspause eingelegt. Ein eher unbekanntes Highlight des Lake Taupo sind die riesigen Maori-Schnitzereien in eine Felswand am Ufer des Sees. Mit einer Segeltour kann man nicht nur die riesige Maori-Maske bestaunen, sondern sich auch im Kratersee abkühlen.

Taupo selbst ist als Stadt für uns kein Highlight gewesen. Bis auf die kleine Uferpromenade, die zu einer Mittagspause einlädt war die Stadt eher praktisch als malerisch. Daher geht es nun weiter zum nächsten Highlight der Nordinsel.

Tongariro National Park

Neuseeland Zentrum Lake Rotopounamu

Lake Rotopounamu im Tongariro NP

Der Tongariro National Park liegt am südlichen Ende des Lake Taupo, eine knappe Stunde von Taupo entfernt. Der Nationalpark beherbergt drei, offiziell noch aktive, Vulkane: Mount Ruapehu, Mount Tongariro und Mount Ngauruhoe. Insbesondere Mount Ngauruhoe ist vielen von uns ein Begriff. Der Berg sieht aus, wie man sich einen Vulkan vorstellt, ein fast gerader Kegel. Außerdem erlangte er als Schicksalsberg in den Filmen „Herr der Ringe“ weltweite Berühmtheit.

Der Nationalpark war einer der ersten Nationalparks weltweit und zählt zum UNESCO Welterbe – als eine der wenigen gemischten Weltkultur- und -naturerbe (wie zum Beispiel das Wadi Rum in Jordanien).

Zentraler Ort für Touren im Nationalpark ist Turangi. Das kleine Dorf ist vollständig auf Tourismus ausgelegt. Die i-site, die Touristeninformation, gibt euch hilfreiche Tipps zu möglichen Wanderungen und Tagestouren in der Region, aber auch – und das kann sehr wichtig sein – zur Wettervorhersage.

Tongariro Alpine Crossing

Neuseeland Zentrum Tongariro Crossing

Mount Ngauruhoe

Als eine der schönsten und spektakulärsten Wanderungen der Welt zählt die Tageswanderung, die als Tongariro Alpine Crossing bekannt ist. Die Wanderung beginnt am Fuße der drei Vulkane des Nationalparks und steigt in den ersten Stunden stetig bergauf, bis man zu den Kratern des Mount Tongariro kommt. Von hier habt ihr bei tollem Wetter eine Aussicht bis zur Westküste der Nordinsel. Auf dem Berggipfel findet ihr einen Bergsee, bevor ihr die andere Seite des Berges wieder hinunter wandert. Auf halbem Wege des Abstiegs kommt ihr in den für die Nordinsel typischen Regenwald.

Die Wanderung ist spektakulär, wunderschön, aufregend – ein absolutes Must-Do. Bei gutem Wetter! Auf unserer Hochzeitsreise hatten wir kein Glück mit dem Wetter (auf dem Gipfel schneite es und hatte Temperaturen unter dem Gefrierpunkt). Dann macht die Wanderung keinen Sinn. Denn die Wanderung ist auch anstrengend. Die 20 Kilometer der Wanderung gehen den Berg hoch und wieder herunter. An der höchsten Stelle seid ihr auf knapp 2000 Metern. Nehmt euch Zeit für die Wanderung, denkt an genügend Proviant, dann wird diese Tageswanderung zu einem unvergesslichen Erlebnis. Bei Nebel, zu starkem Wind oder Schnee ist die Wanderung hauptsächlich kalt und anstrengend und kein Genuss.

Neuseeland Zentrum Tongariro Crossing

auf dem Gipfel des Mount Tongariro

Der Wanderweg ist kein Rundweg. Die praktischste Methode ist es, auf demm Parkplatz am Ende der Wanderung zu parken und sich per Shuttle zum Anfang des Tracks fahren zu lassen. So könnt ihr am Ende der Wanderung direkt ins Auto steigen und euch auf die wohlverdiente Dusche freuen. In der Hochsaison macht es Sinn, den Shuttle ein, zwei Tage vorab zu buchen, um sicherzugehen, dass ihr einen Platz bekommt. Geht jedoch vor der Buchung sicher, dass ihr gutes Wetter haben werdet, der Shuttle fährt auch bei schlechtem Wetter.

Wasserfälle, Seen und Vulkane

Neben dem bekannten Tongariro Alpine Crossing gibt es jedoch noch viele weitere tolle Wanderungen und Ausflugsmöglichkeiten im Tongariro National Park. Für eine kurze Wanderung bietet sich beispielsweise der Lake Rotopounamu an. Der Wanderweg startet direkt an der Straße und führt durch dichten Wald zum Ufer dieses malerischen Sees. Der See ist umringt von dichtem Wald. Immer wieder gelangt man an einen kleinen Strand, an dem man vor allem eines genießen kann: die Ruhe. Nur wenige Touristen verirren sich zu diesem See und so kann man die Ruhe und Einsamkeit Neuseelands an diesem Ort so gut genießen wie vielleicht nur noch an wenigen anderen Orten im Land.

Neuseeland Zentrum Taranaki Falls

Taranaki Falls

Ein weiterer Ausflug, auch bei schlechtem Wetter, ist ein Ausflug zu den Taranaki Falls. Auf dem Weg dorthin kann man noch für einen kleinen Abstecher an den Tawhai Falls halten, ein weiterer Drehort von „Herr der Ringe“. Die Taranaki Falls liegen in der Mitte eines ca. dreistündigen Rundwanderwegs. Auf dem Weg zu ihnen wandert man durch offene Steppe, die grün und gelb vor unseren Füßen liegt. Die Taranaki Falls selbst sind ein Wasserfall, wie er im Buche steht (im Gegensatz zu den Huka Falls 🙂 ). Der Wanderweg führt uns sowohl an den Fuß des Wasserfalls als auch an das obere Ende.

Von den Taranaki Falls kann man die Wanderung noch um weitere vier Stunden verlängern. Von hier gibt es einen Abstecher zu den Tama Lakes, Kraterseen am Fuße des Mount Ngauruhoe. Bei gutem Wetter hat man hier eine tolle Aussicht auf die Vulkane, von einer nicht ganz so bekannten Seite, nämlich von der Rückseite des Tongariro Alpine Crossings.

Das Zentrum der neuseeländischen Nordinsel ist spektakulär und hat für jeden etwas zu bieten. Von Abenteuer über atemberaubende Wanderungen und Naturwunder sowie kulturellen Erfahrungen ist hier alles dabei. Auf jeder Neuseeland-Rundreise wird zumindest ein Teil des vulkanischen Zentrums Teil der Reise sein. Und wir sind sicher, er wird euch – genau wie uns – begeistern.

Anreise

Der einzige internationale Flughafen auf der Nordinsel ist Auckland. Falls ihr vorhabt, von Australien aus nach Neuseeland zu reisen, so könnt ihr auch nach Wellington oder Hamilton fliegen.

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Reisezeit

Die Jahreszeiten in Neuseeland sind genau umgekehrt zu den Jahreszeiten in Europa. Daher ist Januar/Februar hier Hochsommer. Gerade im Norden der Nordinsel kann es hier auch sehr heiß werden. Die hohe Intensität der Sonne sollte nicht unterschätzt werden. Die idealste Reisezeit ist wahrscheinlich der Herbst (März/April), der Frühling (November/Dezember) kann sehr verregnet sein. Bei einer Rundreise über beide Inseln solltet ihr beachten, dass die kalte Jahreszeit ein paar Wochen länger andauert als auf der Nordinsel. Daher empfiehlt sich im Herbst, auf der Südinsel zu starten. Im Frühjahr sollte man hingegen eher im Norden starten.

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