KulturSüdasien

Mit dem Rad durch das Getümmel von Old-Delhi

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Old-Delhi ist das, was viele Vorstellungen und Stereotype von Indien versprechen: sehr laut, unglaublich voll und manchmal auch ziemlich schmutzig. Auf ganz besondere Art und Weise kann man dieses wirre Straßengeflecht mit dem Fahrrad erleben, denn das ist es auf jeden Fall wert.

Delhi Fahrrad Gassen

durch diese Gassen geht es mit dem Fahrrad

Früh aufstehen lohnt sich. Wir starten bei Sonnenaufgang und können so beobachten, wie diese geschäftige Stadt langsam aufwacht und sich das bunte Treiben langsam entwickelt.

In 7er Gruppen aufgeteilt, bekommt jeder ein gutes Fahrrad mit Korb und eine Flasche Wasser, wir machen schließlich Sport 😊. Helme gibt es auf Anfrage auch. Jede Gruppe hat einen Englisch-sprachigen Guide, der vorneweg fährt und einen Fahrradmonteur/Sanitäter/Lumpensammler, der dafür sorgt, dass keiner verloren geht. Und schon kann’s losgehen.

Erster Stopp ist das Turkman Gate, eines der wenigen erhaltenen Stadttore von Shahjahanabad aus dem 13. Jahrhundert. Shajahanabad wurde, wie der Name vermuten lässt, von Shah Jahan gegründet als er die Hauptstadt des Moghulreichs von Agra hierher verlegte. Heute heißt die Stadt Old-Delhi.

Wir stürzen uns in die kleinen Gässchen des Viertels Chadni Chowk und sind sehr beeindruckt von den Ortskenntnissen unseres Guides. Hier mal links, da wieder rechts und die nächste geradeaus. Die Sträßchen sind kaum breit genug für zwei Fußgänger nebeneinander. Man lernt sehr schnell, dass die Fahrradklingel während der Tour noch unser bester Freund werden wird.

Delhi Spice Market

die Ware wird am Gewürzmarkt ausgestellt

Auf dem Weg zum Chawri Bazar macht uns unser Guide auf die schnörkelig verzierten Hauswände aufmerksam. Diese Havelis wurden als Stadtpaläste reicher Kaufleute oder Adliger gebaut und zählen aufgrund ihrer Schönheit zu den Sehenswürdigkeiten Rajasthans.

Scharf wird die Tour am nächsten Stopp: dem Gadodia Spice Market. Chili liegt nicht nur auf dem Boden, sondern auch in der Luft; allein davon wird der Hals ganz kratzig. Dieser Gewürzmarkt ist in einem Haveli beheimatet und klettert man die nicht TÜV-zertifizierten Treppen hinauf aufs Dach, kann man die Arbeit in den bunten einzelnen Kontoren beobachten. Im Licht der Morgensonne macht sich die Aussicht über die benachbarte Fatehpuri Moschee und das gesamte Viertel besonders gut. Hier auf dem Dach sehen wir die ersten von vielen Affen, die wild durch die Stadt streunen.

Delhi Spice Market

der Gewürzmarkt von Delhi

Als kleine Abhilfe gegen das Halskratzen nach den ungewohnt scharfen Gerüchen, geht es zu einer kleinen Zwischenpause auf einen Original Chai-Tee über die Bahngleise nach Neu-Delhi. Jetzt hat man auch die Ruhe und die Gelegenheit, seine Tour-Gruppe ein bisschen kennen zu lernen. Alles junge Leute, die die Stadt mal anders kennen lernen wollen.
Wie ungewöhnlich das ist, merken wir auch bei unseren Stopps, wenn sich um uns herum eine kleine neugierige Ansammlung bildet, die Touris zu bestaunen.

Delhi Red Fort

das Rote Fort von Delhi

Frisch gestärkt geht es zurück in den Trubel zum Roten Fort. Langsam merkt man, dass die Stadt geschäftiger wird. Wo am Anfang der Tour noch einsame Hunde durch die Gassen geschlichen sind, versuchen sich jetzt Mofas, Rikschas und Fußgänger aneinander vorbei zu schlängeln. Das Rote Fort ist ein Nachbau des berühmten Roten Forts in Agra. Es wurde von Shah Jahan als Kopie in Auftrag gegeben, der zwar die Hauptstadt verlegte, aber nicht auf seine gewohnte Umgebung verzichten wollte.

Ein letzter Stopp vor dem hart erarbeiteten Frühstück ist die Freitags-Moschee, die größte Moschee Indiens. Der Islam ist nach dem Hinduismus die größte Religionsgruppe in Indien. Ungefähr 13% der Bevölkerung folgen diesem Glauben. Am Fuß der Moschee hat sich ein kleiner Markt entwickelt, auf dem sich alles finden lässt, von Sandalen über Handtücher bis zu Druckkochtöpfen.

Unter viel Klingelei überwinden wir die letzten Kurven bis zum Frühstück. In einem Hinterhof, den wir alleine nie gefunden hätten, serviert Karim & Sons wunderbares Curry mit ofenfrischen Rotis. Die lokale Spezialität ist Curry mit Ziegenfleisch, es gibt aber auch eine vegetarische Alternative mit Erbsen und Kartoffeln. Die Schärfe des Essens ist auf den europäischen Gaumen ausgelegt, unser indischer Guide nimmt sich ordentlich Chili nach 😊. Es bleibt noch genug Zeit für ein kleines Schwätzchen mit den anderen Teilnehmern und unserem Guide bevor es dann wieder zurück zum Ausgangspunkt geht und wir die Fahrräder wieder abgeben müssen.

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Wir fanden die Fahrradtour eine wahnsinnig spannende Art, dieses verwinkelte Viertel kennen zu lernen. Oft ist es auf Reisen ja so, dass man von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten fährt, dort nur auf andere Touristen trifft. Vom tatsächlichen Leben der Bevölkerung des Landes bekommt man dann nur wenig mit. Dieser Filter fällt hier weg. Eine unglaublich tolle Erfahrung, wenn man sich nicht davor scheut, sich auf das Getümmel, den Lärm und den Dreck einzulassen. Denn hinter dieser chaotischen Fassade versteckt sich ein buntes Miteinander, dem man nur auf die Spuren kommen muss.

Anreise

Delhi wird von vielen Airlines angeflogen. Von Deutschland aus beliebt sind die Direktverbindungen mit Lufthansa oder Air India, preiswerte Verbindungen gibt es mit Emirates und Etihad meist über Dubai oder Abu Dhabi.

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Reisezeit

Indien ist bekannt für seine heiße warme Saison. Zwischen April und Juni sind hier Temperaturen von 45 Grad auch in Delhi keine Seltenheit. Ganz anders jedoch während des europäischen Winters: Während es morgens noch 5 Grad hat, wird es tagsüber mit 15-20 Grad angenehm warm. Von Juli bis September ist Regenzeit. In dieser Zeit sollte man mit täglichem Regen rechnen.

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