OrientRundreise

Jordaniens unbekanntere Schätze

In unserem ersten Artikel über Jordanien ging es um die “Großen 3”, die man auf einer Reise durch Jordanien auf gar keinen Fall verpassen sollte: Petra, das Wadi Rum und das Tote Meer. Hier möchten wir jetzt eher von unbekannteren Zielen erzählen, da wahrscheinlich sehr oft unterschätzt wird, was Jordanien bei seiner langen und bewegten Geschichte alles zu bieten hat.

Amman

Jordanien Amman

auf der Zitadelle von Amman

Die meisten Reisenden werden in Amman, der Hauptstadt Jordaniens ankommen. Die Stadt selbst hat touristisch betrachtet eher wenig zu bieten. Was sich allerdings lohnt ist der Aufstieg zur Zitadelle. Hier auf dem höchsten der sieben Hügel, auf denen Amman gebaut ist, haben sich schon in der Bronzezeit die ersten Menschen niedergelassen und im Laufe der Zeit haben dort Assyrer, Perser, Römer, Griechen und Babylonier ihre Spuren hinterlassen. Am beeindruckendsten ist der relativ gut erhaltene Umayyaden-Palast mit seiner großen Kuppel. Außerdem hat man einen schönen Rundum-Blick, u.a. auf das römische Amphitheater aus dem zweiten Jahrhundert.

Amman lohnt sich aber sehr als Basis für Tagesausflüge in die Umgebung. Wir haben von hier aus Touren nach Jerash, Ajloun und zu den Wüstenschlössern gemacht.

Jerash

Jordanien Jerash

eines der Eingangsportale zu Jerash

Nördlich von Amman liegt die Stadt Jerash. In der Mitte der heutigen Stadt finden sich Ruinen der alten Römerstadt. Besiedelt war das Gebiet schon in der Bronzezeit, die bis dahin aber eher unbedeutende Stadt erlebte ihre große Blüte während der Zeit des römischen Reichs und machte als Handelsstützpunkt sogar Petra Konkurrenz. Über die Jahre wurde die Gegend von mehreren schweren Erbeben heimgesucht, die auch die Römerstadt praktisch dem Erdboden gleich gemacht haben. Vieles ist heute restauriert, z.B. erstrahlt der Hadriansbogen am Eingang des Areals wieder in altem Glanz, der Großteil der Stadt liegt aber anscheinend noch unter einer meterdicken Schuttschicht.

Das soll aber nicht heißen, dass es hier nichts zu sehen gibt. Hinter dem Hadriansbogen und dem großen Hippodrom liegt das Forum, von dem aus man in das alte Stadtzentrum spazieren kann. Hier treffen sich die zwei Haupthandelsstraßen der damaligen Zeit und man kann anhand der Ruinen von Bädern, Tempeln, Kirchen und Theatern erahnen, welche Bedeutung diese Stadt vor 2000 Jahren innehatte.

Jordanien Jerash

Die große Säulenstraße in Jerash

Wir hatten einen Guide zur Stadtbesichtigung, was auch sehr gut war, weil man als Laie viele Dinge nicht richtig einschätzen kann. Wie den Schutt von den Erdbeben. Es hat schon etwas ziemlich Komisches, wenn sich der Guide bückt, einen “Stein” aufhebt, erzählt, dass das wahrscheinlich ein Teil einer antiken Vase war und dieses Teil dann einfach wieder wegwirft. Oder er ermuntert einen dazu, eine Säule zu schubsen um zu veranschaulichen, wie sie nachschwingt, also dass die Römer so schon einen Erdbebenschutz eingebaut haben.

Ajloun

Jordanien Ajloun

Blick von der Burg von Ajloun auf die Obstanbau-Gebiete

Direkt neben Jerash liegt Ajloun. Auf den Hügeln neben der Stadt liegt die alte Burg. Hier zeigt ich auch die bewegte Geschichte des Landes und die ständigen Herrschaftswechsel im Laufe der Geschichte. Angefangen hat die Burg als byzantinisches Kloster, worauf im 12. Jahrhundert von muslimischen Truppen eine Festung erbaut wurde um die Kreuzfahrer abzuwehren. Diese wiederum wurde unter den Mameluken umgebaut, von den Mongolen beschädigt und von den Osmanen wieder aufgebaut. Auch hier hat allerdings ein Erdbeben große Schäden angerichtet, die noch nicht ganz wieder restauriert worden sind.

Wir sind morgens zur Festung gefahren und hatten sie praktisch die ganze Zeit für uns alleine. Man kann selbstständig durch die verwinkelten Gänge und Treppenhäuser bis aufs Dach spazieren und hat dann eine tolle Aussicht über die Täler. Nur Vorsicht vor den vielen Tauben 🙂

Wüstenschlösser

In der Wüste um Amman herum, hauptsächlich aber Richtung Osten findet man verstreut kleine Schlösser. Die meisten stammen aus dem 7. Jahrhundert nach Christus und wurden als Verteidigungsanlagen, Speicher für die Landwirtschaft und Karawansereien genutzt. Mache Historiker gehen auch davon aus, dass manche auch als Lust- und Jagdschlösser genutzt wurden oder für die ein oder andere Orgie 🙂

Jordanien Wüstenschloss

das Qasr el-Kharana

Sehr gut erhalten ist das Schloss Qasr el Kharana. Weil es das nächste an Amman und direkt am Highway liegt, ist es das meistbesuchte der Schlösser. Es ist quadratisch angelegt, mit kleinen runden Türmen an den Ecken und war im Inneren reich mit Reliefs und Ornamenten verziert, die man zum Teil heute noch sehen kann.

Am bekanntesten dürfte aber das Qars al Asraq sein. Es ist zwar am weitesten von Amman entfernt (etwa 100km), aber es erreichte einen gewissen Ruhm, da es als Winterlager von Lawrence von Arabien genutzt wurde. Architektonisch ist dieses Schloss nichts Besonderes, aber hier “neuere” Geschichte erleben zu können, ist schon spannend. Nebenan ist (oder besser gesagt war) eine große Sumpflandschaft, wo unzählige Zugvögel ein Päuschen eingelegt haben. Leider ist sie durch den gesteigerten Wasserbedarf in Amman fast vollständig vertrocknet. Ein Schutzprojekt setzt sich jetzt für die ansässigen Enten, Reiher und Adler ein.

Wadi Mujib

Wer einigermaßen fit und abenteuerlustig ist, für den ist Wadi Mujib ein absolutes Muss. Wadi bedeutet Flussbett und ähnlich wie beim Grand Canyon hat sich auch hier ein Fluss durch den Stein zu einer tiefen Schlucht gegraben. Diese Schlucht kann man durchwandern und man wird dafür mit einem wunderbaren Licht und den tollen Farben des blauen Wassers und der roten Felswände belohnt.

Die Warnhinweise, dass man NICHTS mit in die Schlucht mitnehmen sollte, sollte man ernst nehmen. Man bekommt am Eingang eine Schwimmweste und die macht auch Sinn. Man bewandert das Flussbett nämlich zum Großteil im mindestens knöcheltiefen Wasser, das doch einiges an Strömung hat und öfters muss man sich an Seilen auf größere Felsen hochziehen – eben abenteuerlustig.

Wer eine Kamera mitnehmen möchte (und wer möchte das nicht bei so einem genialen Fotomotiv), nimmt am besten eine kleine Actioncam mit Brustgurt, ein guter Handgriff reicht nicht. Wir hatten die Info leider nicht, wie umständlich das Weiterkommen und wie stark die Strömung hier manchmal ist – und futsch war die Kamera. Deswegen hier leider keine Fotos von uns….

Wadi Mujib ist unglaublich schön und macht viel Spaß zu durchwandern, vor allem wenn man sich auf dem Rückweg dann praktisch einfach nur treiben lassen kann. Aber man sollte sich entsprechend ausrüsten:

  • feste Turn- oder Wanderschuhe sind absolut Pflicht
  • Klamotten, die es aushalten, wenn man auf dem Hintern über Felsen rutscht oder die nicht zu schade sind, danach weggeworfen zu werden
  • nichts mitnehmen, was irgendwie weggeschwemmt werden könnte, u.a. auch Sonnenbrillen
  • Eure Actioncams bitte extrem gut sichern. Es wird nass, ihr schrappt gegen Felsen, ihr habt öfter mal keine Hand frei um die Kamera festzuhalten.

Trotz dem Ärger um die verlorene Kamera, hier würden wir auf jeden Fall nochmal hinkommen. Im Nachhinein ist man ja dann bekanntlich oftmals schlauer 🙂

Kerak

Jordanien Kerak

die verwinkelte Burg von Kerak

Nochmal ein anderes Kapitel der Geschichte Jordaniens wird in Kerak spürbar: das der Kreuzritter. In der Gegend hier war zwar schon zu biblischen Zeiten ein florierendes Königreich, am spektakulärsten ist heute aber die Kreuzfahrerburg Crac des Moabites aus dem Jahr 1142. Aufgrund ihrer strategisch guten Lage wurde sie zur Hauptstadt der Herrschaft Oultrejoudrain, einem Teil des Kreuzfahrerreichs Jerusalem. In späterer Zeit behielt sie als Handelsstützpunkt Al-karak an Bedeutung und auch von den Briten wurde sie als wichtige Stadt im Emirat Transjordanien genutzt.

Ursprünglich sieben Stockwerke hoch, sind heute meist “nur” noch drei bis vier erhalten (was für das Alter trotzdem beachtlich ist). Nur wurde die Burg irgendwann als Steinbruch missbraucht um die benachbarte Stadt zu errichten. Besichtigen kann man heute noch Speisekammern und Gefängniszellen oder einen Speisesaal. Am Eingang warten meist schon engagierte Guides, die einem für ein kleines Trinkgeld die riesige Anlage näherbringen.

Besonders schön ist abends die Licht und Sound Show, wenn die Mauern bunt angestrahlt werden.

Dana

Jordanien Dana

das Naturreservat Dana

Womit man in Jordanien wahrscheinlich auch nicht als erstes rechnet ist ein Naturreservat, das keine Wüste ist. Im Wadi Dana und seinen Nebentälern gilt “sanfter Tourismus”, das heißt, dass man hier tatsächlich nur zu Fuß rumkommt um die Natur so gut wie möglich zu schonen. Wir haben eine Wandertour mit einem alten Beduinen gemacht. Es war unglaublich beeindruckend zu sehen, wie dieser alte Mann in seinen noch älteren Schuhen über die Felsen gehüpft ist, als hätte er in seinem Leben noch nichts anderes gemacht. Hat er wahrscheinlich auch nicht, denn wie er uns erzählte, ist es noch gar nicht so lange her, dass er mit seiner Familie in dieser Gegend im Zelt gelebt hat und hier zwischen den Felsen aufgewachsen ist. So eine Ortskenntnis kommt einem auch nur zu Gute. Allein hätten wir nie wieder zu unserer Unterkunft gefunden.

Jordanien Dana

entdeckt ihr das Chamäleon? 🙂

Das größte Biosphärenreservat Jordanien erstreckt sich in 310km2 über Wadi Dana und seine Nebenarme und es gibt hier über 700 Pflanzenarten, gut 200 Vögelarten und knapp 40 Säugetierarten. Wir haben davon bestimmt auch sehr viele gesehen 🙂 am exotischten für uns war aber ein kleines Chamäleon, dass uns zwischen den Füßen rumgekrochen ist.

Aqaba

Wer uns kennt, der weiß, dass wir trotz aller Abenteuerlust nicht ganz ohne Strand können. Aber dafür reichen uns in der Regel ein bis zwei Tage, bevor wir wieder unruhig werden. Den Strandteil hier hatten wir an der Nordspitze des Roten Meeres in der Hafenstadt Aqaba.  Die Stadt ist Jordanien einziger Zugang zum Meer, dementsprechend geschäftig geht es hier auch zu. Alles, was per Schiff im- oder exportiert wird, muss durch den Hafen von Aqaba.

Jordanien Aqaba

Am öffentlichen Strand von Aqaba

Trotz des Schiffverkehrs ist Aqaba ein gefragtes Tauch- und Schnorchelziel. Im Gegensatz zu den ägyptischen Tauchspots am roten Meer ist Aqaba nicht so überlaufen und das macht sich auch an der Unterwasserwelt bemerkbar. Wenn wir nicht einen Tag später unsere GoPro im Wadi Mujib verloren hätten, könnten wir euch hier tolle Bilder von vielen bunten Fischen, Korallenbänken und Seepferdchen zeigen. Zu bestimmten Jahreszeiten schwimmen auch schonmal Walhaie an Aqaba vorbei.

Wer sich in Aqaba an den Strand legen möchte, sollte das eher an den Privatstränden der Hotels tun. Zwar gibt es einen öffentlichen Stadtstrand, aber Frauen werden dort nicht gern gesehen. Hier war so ziemlich der einzige Ort in Jordanien, an dem man sich als westlich gekleidete Frau unwohl gefühlt hat. Vom Baden oder Sonnen im Bikini ist hier gar nicht reden.

Religiöse Sehenswürdigkeiten

Jordanien liegt ja, wie viele wissen werden, direkt östlich von Israel. Israel ist ja bekannt für seine vielen religiösen Sehenswürdigkeiten, aber auch Jordanien hat ein paar zu bieten.

Jordanien Nebo

auf dem Berg Nebo

Am bekanntesten auf jordanischer Seite ist wahrscheinlich der Berg Nebo. Nachdem Moses und die Israeliten aus Ägypten geflohen waren, mussten sie 40 Jahre durch die Wüste wandern um das gelobte Land zu erreichen. Laut der Legende hat Moses von diesem Berg aus das erste Mal das gelobte Land tatsächlich gesehen, starb dann aber, bevor er es betreten konnte. Auf dem Berggipfel steht seit dem 4. Jahrhundert eine Kirche, von der nach vielen Umbaumaßnahmen über die Jahrhunderte nicht viel übrig geblieben ist. Es gibt aber noch sehr schöne Mosaike aus späterer Zeit zu sehen.

Eine der spektakulärsten Geschichten in der Bibel handelt von den Städten Sodom und Gomorrha, die wegen des gottlosen Lebens ihrer Einwohner zerstört wurden. Einzig Lot und seine Familie entkamen, aber seine Frau erstarrte zur Salzsäule, weil sie zurückschaute. Man vermutet heute, die Ruinen der zwei Städte, die der Sage zugrunde liegen, in der südöstlichen Zentralebene des Toten Meeres gefunden zu haben. Nahe der Kleinstadt Safi ist eine kleine Höhle, der sich Lot mit seinen Töchtern angeblich versteckt gehalten hat. Und am Ufer des Toten Meeres steht eine Salzsäule, angeblich Lots Frau.

Jordanien Petra

Petra

Auch die Stadt Petra kommt in der Bibel vor. Auf der Wanderung Mose durch die Wüste schlug er auf einen Stein, aus dem dann Wasser sprudelte. Laut Überlieferung von Einheimischen ist die Quelle in Wadi Musa (Tal Moses) eben dieser Ort. Außerdem wurde Aaron, der Bruder Mose, in Petra auf dem Berg Gor (heute Berg Aaron Jabal Harun) beerdigt. Heute lockt auf dem Berggipfel ein islamischer Schrein Pilger aus aller Welt.

Es gibt noch mehrere andere Stellen, in denen Jordanien in der Bibel erwähnt wird, von David und Goliath bis zu Wundern Jesu. Jordanien ist geschichtlich ein reiches Land und wer sich dafür interessiert, wird hier vieles finden können.

Fazit

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An den Wüstenschlössern haben wir zum ersten Mal mitbekommen, wie dürftig es aufgrund der umliegenden Krisenherde um den Tourismus in Jordanien bestellt ist. Der Wächter am Eingang von Qasr al Azraq, der uns gleich noch eine kleine Tour gegeben hat, erzählte uns, dass früher um die 1200 Touristen am Tag zum Schloss gekommen wären; heute sind es noch zehn, wenn ein guter Tag ist. Man merkt auch, dass die Guides oder Souvenirverkäufer an den anderen verschiedenen Sehenswürdigkeiten extra motiviert sind, dir eine Führung zu geben, dich auf einem Kamel reiten zu lassen oder dir einen Stein zu verkaufen. Einerseits kann das sehr nervig sein, wenn du dich einfach nur umsehen möchtest, andererseits kann man verstehen, dass die Leute ja trotz mangelnder Besucher ihre Familie ernähren müssen.

Trotz seiner Lage und dem aktuellen Klima in der Region ist Jordanien bis jetzt, zum Glück, ein sehr sicheres Reiseland. Die meisten Touristen kommen allerdings nur für einen Tagestrip nach Petra. Deswegen wollten wir mit diesem Artikel zeigen, dass sich ein Besuch in diesem Land nicht nur als Tagestrip aus Israel lohnt, sondern das Land auch sehr gut für sich allein stehen und man gut und gerne zehn Tage hier verbringen kann um die reichhaltige Geschichte aufnehmen und erleben zu können.

Anreise

Der internationale Flughafen von Amman ist die häufigste Anlaufstelle in Jordanien mit Flugverbindungen von allen großen deutschen Flughäfen. Auch Aqaba wird vor allem von Charterflügen angeflogen.

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Reiseanbieter

Organisierte Rundreisen gibt es einige für Jordanien. Wir haben unsere Reise mit Evaneos durchgeführt und konnten hier die Reise noch auf unsere Wünsche anpassen (wir haben beispielsweise in Aqaba das Hotel getauscht und mit Wadi Mujib noch ein weiteres Ziel mit aufgenommen). Alles wurde schnell und unkompliziert organisiert und die Durchführung vor Ort war makellos.

Reisezeit

Jordanien ist vor allem im Frühjahr und Herbst ein ideales Reiseziel. Was man für ein arabisches Land nicht vermutet: im Winter kann es hier gerade nachts sehr kalt werden. Nur an der Küste in Aqaba bleibt es auch im Winter sehr mild.

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