KulturOrientRundreise

Jordanien? Jetzt? Jordanien! Jetzt! – Die Highlights des Landes

Geschätzte Lesezeit: 11 Minuten

Als wir letztes Jahr nach einem Urlaubsziel für den Herbst gesucht haben, sind wir über die Klimatabellen auf Jordanien gekommen. Jeder, dem wir davon erzählt haben, war erst mal schockiert: „Jordanien? Jetzt?“.  Diese Ecke der Welt ist in den letzten Jahren ja nicht gerade positiv aufgefallen. Nach einer kurzen Recherche beim Auswärtigen Amt haben wir uns dann trotzdem für dieses Ziel entschieden.

(Jedem, der sich vorab über die Einreise- und Zollbestimmungen, Impfempfehlungen und Sicherheitshinweise in einem bestimmten Land informieren will, dem sei das Auswärtige Amt ans Herz gelegt.) Wir haben uns im Endeffekt auch zu keinem Zeitpunkt unwohl gefühlt. Wie es ein Einheimischer ausgedrückt hat: „Jordanien ist das leise Haus in einer lauten Nachbarschaft“. Besser hätte man es nicht sagen können.

Jordanien Highlights - Wadi Rum

Wadi Rum im Süden Jordaniens

Also zu unseren Erfahrungen: wir haben eine organisierte Rundreise gebucht, damit wir wirklich nur in sichere Gegenden kommen und im äußersten Notfall einen Ansprechpartner haben. Den Ansprechpartner haben wir dann tatsächlich auch gebraucht – wegen unserer beim Umsteigen in Berlin verloren gegangenen Koffer.

Im ersten Artikel zum Thema Jordanien wollen wir euch von den bekannteren Sehenswürdigkeiten erzählen, um euch einen einfachen Einstieg zu ermöglichen. Im zweiten Teil soll es dann eher um die kleineren und unbekannteren Spots gehen.

Werbung

Vorneweg eine kleine allgemeine Info zum Dresscode: Jordanien ist ein muslimisches Königreich, lebt den Islam aber größtenteils sehr liberal aus. Ihr werdet auf den Straßen also sowohl vollverschleierte Frauen sehen, als auch Frauen in engen Jeans und T-Shirt. Als wir da waren, hatten einen Tag vorher gerade Wahlen stattgefunden und auch auf den Wahlplakaten konnte man Frauen mit Gesichtsschleier und ohne sehen. Für Touristen heißt das dementsprechend auch, dass man sich wegen seines Outfits in den Städten nicht allzu große Gedanken machen muss, auf dem Land könnte man wegen eines kurzen Kleides schief angeschaut werden. Baden im Bikini sollte man auch eher nur an den Privatstränden der Hotels am Toten und am Roten Meer. Eher aus klimatischen als religiösen Gründen empfiehlt es sich, lange, aber luftige Klamotten einzupacken. Eine Trekkinghose und –bluse oder ein wehender langer Rock sind wunderbar bei dem heißen und trockenen Klima und man fällt nirgendwo unangenehm auf.

Jetzt also zu den Top 3 der Sehenswürdigkeiten in Jordanien.

Petra

Von allen Sehenswürdigkeiten in Jordanien ist Petra wohl die bekannteste. Die alte Nabatäerstadt zieht Menschen aus der ganzen Welt in ihren Bann und das vollkommen zurecht. Man fühlt ich schon ein bisschen wie bei Indiana Jones, wenn man die ca. 1km enge gewundene Schlucht – den Siq – durchwandert, die sich dann nach einer Kurve auftut und den Blick auf das bekannteste der Gebäude hier, die Schatzkammer, freigibt.

Jordanien Highlights - Petra

Die Schatzkammer kann man durch den Siq schon erkennen

Für einige Touristen ist ein Foto vor der Schatzkammer auch der einzige Stopp, den sie in Petra einlegen, bevor es wieder zurück geht. Das ist aber ein schwerer Fehler. Eigentlich gibt es in Petra so viel zu sehen und zu wandern, dass man hier gut und gerne zwei oder drei Tage verbringen könnte.

Wer nur einen Tag auf seiner Rundreise Zeit hat, der wandert die Schlucht weiter und kommt dann zu verschiedenen, in den Stein gemeißelten Gräbern. Je nach Status der Familie sind diese Gräber einfache Kammern in der Wand oder prunkvoll herausgehauene Paläste (Royal Tombs).

Auch die Römer haben hier ihre Spuren hinterlassen, von ihnen stammt ein großes Amphitheater; was wäre eine römische Stadt ohne ein Amphitheater 🙂. Außerdem stehen noch die Grundmauern und Säulen einiger Tempelanlagen.

Jordanien Highlights - Petra

Auch die Königsgräber im hinteren Teil der Anlage sind beeindruckend

Wen die heißen Temperaturen dann noch nicht geschafft haben, der kann sich an den Aufstieg zum Kloster machen. Über eine ziemlich steile Treppe geht es 800 Stufen hinauf. Wer eine Pause einlegen möchte, der hat ungefähr auf der Mitte der Strecke die Gelegenheit: hier gibt es ein Beduinenzelt, in dem man Tee kaufen und sich ausruhen kann. Wenn man es dann tatsächlich bis ganz nach oben geschafft hat, kommt erst mal die große Überraschung: man kommt von dem engen Weg hinaus auf ein großes Feld und am anderen Ende stehen lauter begeisterte Touristen und schauen einen an.
Zumindest kommt es einem so vor. Dann merkt man aber, dass sich die Fassade des Klosters direkt hinter einem befindet J Wir haben uns dann an den Felsen auf der anderen Seite der Wiese einen Picknick-Spot gesucht und die anderen Touristen beobachtet, die genauso überrascht um die Ecke gekommen sind, wie wir auch.

Das klingt jetzt erst mal nach nicht so viel Programm für einen Tag, aber vom Visitor Center zum Kloster und zurück sind es ca. 10,5 km, die man teilweise über Sand oder steilen, rauen Fels wandern muss (unbedingt feste Schuhe und viel zu trinken mitnehmen!). Und man braucht einiges an Zeit, um alles auf sich wirken zu lassen.

Wenn man mehrere Tage in Petra verbringen möchte, gibt es auch andere Wege, die man bewandern kann. z.B. soll auf einem der Berge Aaron, der Bruder von Moses begraben sein.

Jordanien Highlights - Petra

Gerade bei Nacht ein magischer Ort – Petra

Ein besonderes “Schmankerl” ist Petra by night. Wie der Name schon sagt, kann man hier Petra (oder zumindest die Schatzkammer) bei Nacht besuchen. Wir hatten lange überlegt, ob sich so etwas lohnt oder ob das doch sehr touristisch abläuft. Bis auf kleine Verstimmungen, die immer passieren, wenn viele Leute das vermeintlich perfekte Foto von ein und derselben Sache machen wollen, war es eine wirklich schöne Erfahrung 🙂
In einer Gruppe von ca. 50 Personen geht es zu Fuß denselben Weg hinunter von Visitor Center zum Siq und durch den Siq hindurch zur Schatzkammer, nur diesmal im Dunkeln und beleuchtet von Kerzen am Wegrand. Vor der Schatzkammer sind auch unendlich viele Kerzen aufgestellt und Matten ausgelegt, wo man sich hinsetzen und den Erzählungen und Geschichten über die Nabatäerzeit lauschen kann. Da es in der Umgebung keine größere Lichtverschmutzung hat, hat man auch einen unglaublichen Ausblick auf den Sternenhimmel. Nach genügend “Fotozeit” geht es dann wieder zurück. Für uns eine schöne Gelegenheit, den Tag in Petra auch nochmal Revue passieren zu lassen.

Ein offenes Wort zu Petra: Petra hat uns unglaublich gut gefallen und es ist wahnsinnig faszinierend, aber wie an wahrscheinlich jedem Ort, an dem es durch Touristen viel Geld zu verdienen gibt, wird das auch hier zum Teil ausgenutzt. Es gibt sehr viele Leute, die einem einen Kamel- oder Eselritt andrehen möchten, besonders für den Weg zum Kloster hinauf. Hier wird immer wieder von offizieller Seite auf zwei Probleme hingewiesen: Tierquälerei und Kinderarbeit.
Man sollte also ganz unbedingt darauf achten, dass die Tiere von ihren Haltern gut behandelt werden und z.B. keine blutigen Stellen um ihr Halfter haben. Auch sollte man nichts von Kindern kaufen. Man ist immer sehr versucht, die Kinder unterstützen zu wollen, aber dadurch werden sie erst recht wieder zum Arbeiten geschickt. Offizielle Schilder am Eingang zum Siq weisen auch darauf hin, dass Kinderarbeit in Jordanien verboten ist und die Kinder in die Schule gehören. Daran merkt man, dass sich das anscheinend zu einer echten Problemlage entwickelt hat.

Wadi Rum

Jordanien Highlights - Wadi Rum

Sonnenuntergang im Wadi Rum

Eine andere bekanntere Sehenswürdigkeit und UNESCO Weltkulturerbe ist die unwirkliche Wüste Wadi Rum. Auch wen es noch nicht hierher verschlagen hat, dem kommen die Felsformationen vielleicht aus dem Kino bekannt vor: die Wüste hier wurde u.a. als Mars im Film Der Marsianer mit Matt Damon verewigt. Wenn man dann hier ist, kann man auch sehr gut verstehen, warum das so eine glaubhafte Kulisse ist.

Jordanien Highlights - Wadi Rum

Die Spuren unseres Jeeps sind gut im Wüstensand zu erkennen

Wir haben eine Nacht in einem Beduinenzelt im Wadi übernachtet. Dafür kommt man zuerst in das gleichnamige Dorf Wadi Rum, wo man dann vom Veranstalter abgeholt und mit dem Allrad-Truck in die Wüste gebracht wird. Solche Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in allen Preis- und Luxuskategorien, meistens werden dann vor Ort auch Rundfahrten durch die Wüste oder eine kleine Kamelsafari angeboten. Wir haben eine Rundfahrt mit dem Jeep gemacht und uns die verschiedenen Ecken der Wüste und ihre Besonderheiten erklären lassen. Zum Sonnenuntergang geht es dann an einen ganz besonderen Aussichtspunkt, der auch sehr romantisch sein könnte, wenn nicht andere Touristen meinen, sie müssten dort ihre Version eines arabischen Schlagers zum Besten geben 🙂

Eine Nacht hier mitten in der Wüste zu verbringen wirkt auch sehr entschleunigend, zumindest hatte unser Camp kein Mobilfunknetz oder WLAN. Dafür kann man hier wunderbar am Feuer auf Kissen fläzen und lesen. Oder man macht zwei Schritte vom Camp weg und bestaunt in tiefster Dunkelheit den unglaublichen Sternenhimmel.

Totes Meer

Das Tote Meer verbinden die meisten wahrscheinlich eher mit Israel als mit Jordanien, aber auch hier hat sich eine Wellness-Szene an der Küste entwickelt. Dem Schlamm des Meeres werden wegen seines hohen Gehalts an Mineralien, wie Magnesiumchlorid, Calciumchlorid und Natriumchlorid, lindernde Eigenschaften für Erkrankungen wie Neurodermitis, Akne oder Psoriasis zugeschrieben. Auch der hohe Salzgehalt in der Luft soll für Atemwegserkrankungen hilfreich sein. In manchen Fällen zahlt sogar die Krankenkasse einen Urlaub am Toten Meer.

Jordanien Highlights - Totes Meer

Durch den schnellen Rückgang des Wassers ist der Fußweg vom Hotel zum Toten Meer teils länger als man denkt

Vielen vielleicht eher bekannt ist das Tote Meer durch seinen hohen Salzgehalt, der dazu führt, dass man nicht untergeht und im Wasser „schwebt“. Am Strand stehen Warnschilder, wie man richtig ins Wasser geht, und dass man sich nur auf dem Rücken treiben lassen sollte. Bauch voraus ist gefährlich, weil man sich in diesem Wasser nur sehr schlecht umdrehen kann. Insgesamt ist das Bad im Toten Meer eine sehr witzige und irgendwie absurde Erfahrung. Man kann das Gefühl echt nicht beschreiben, wie es ist. Irgendwie fühlt sich das Wasser sehr dick an, dadurch dass man oben bleibt. Auf der anderen Seite hat es ja die gleiche Konsistenz wie normales Wasser. Eben sehr seltsam.

Am Strand stehen auch Kübel mit dem berühmten Schlamm. Am wirkungsvollsten soll die Schönheitskur nämlich sein, wenn man sich zuerst mit dem Schlamm einreibt, diesen trocknen lässt und dann zum Baden ins Meer geht um ihn wieder abzuwaschen. Zur Wirkung können wir wenig sagen. Sieht aber auf jeden Fall sehr lustig aus 🙂

Jordanien Highlights - Totes Meer

Die Salzablagerungen sind entlang der Felsenküste gut zu erkennen

Ein Problem des Toten Meeres ist in den letzten 20 Jahren sein sinkender Wasserspiegel. Das Meer wird aus dem Fluss Jordan und ein paar Quellen gespeist. Früher kam dadurch genug Wasser in das Meer um die Verdunstung auszugleichen (durch die Verdunstung entsteht der hohe Salzgehalt). Inzwischen wird aber für die Landwirtschaft zu viel Wasser aus dem Jordan abgezweigt. Sa stehen die Hotels, die früher direkt am Ufer waren, jetzt etwas traurig ca. 20m über dem Wasserspiegel. Ein paar Hinweisschilder an unserem Hotel haben das Ausmaß sehr deutlich gemacht. Es findet ein gewisses Umdenken statt, aber es ist fraglich, in wie ferner Zukunft man etwas davon merken wird.

Das waren jetzt schonmal die bekannteren von Jordaniens Sehenswürdigkeiten. Aber das Land hat noch einiges mehr zu bieten, dass man es gar nicht in nur einen Blogartikel packen kann. Unser persönliches Highlight war hier z.B. noch gar nicht mit dabei. Freut euch also auf weitere Artikel zu Jordanien.

Anreise

Der internationale Flughafen von Amman ist die häufigste Anlaufstelle in Jordanien mit Flugverbindungen von allen großen deutschen Flughäfen. Auch Aqaba wird vor allem von Charterflügen angeflogen.

Werbung

Reiseanbieter

Organisierte Rundreisen gibt es einige für Jordanien. Wir haben unsere Reise mit Evaneos durchgeführt und konnten hier die Reise noch auf unsere Wünsche anpassen (wir haben beispielsweise in Aqaba das Hotel getauscht und mit Wadi Mujib noch ein weiteres Ziel mit aufgenommen). Alles wurde schnell und unkompliziert organisiert und die Durchführung vor Ort war makellos.

Reisezeit

Jordanien ist vor allem im Frühjahr und Herbst ein ideales Reiseziel. Was man für ein arabisches Land nicht vermutet: im Winter kann es hier gerade nachts sehr kalt werden. Nur an der Küste in Aqaba bleibt es auch im Winter sehr mild.

4
Hinterlasse einen Kommentar

2 Kommentar Themen
2 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf den am meisten reagiert wurde
Beliebtester Kommentar Thema
  Abonnieren  
neueste älteste
Benachrichtige mich bei
Tina

Das hört sich echt toll an. Wir werden noch in diesem Jahr Jordanien und Israel mit dem Mietwagen auf eigene Faust erkunden und freuen uns schon wirklich sehr darauf!
LG
Tina von Urlaubsreise.blog

Angela

Das klingt alles schon total toll. Jetzt bin ich aber absolut gespannt, was euer persönliches Highlight war! Wann kommt Teil 2 eures Berichts?
Liebe Grüße
Angela

Isabella

Liebe Angela,
danke für dein Feedback! Achtung Spoiler 🙂 unser Highlight war das Wadi Mujib, der „Grand Canyon“ Jordaniens. Hier wandert man in einer steilen Schlucht ein Flussbett entlang. Die Farben der Steilwände und des Wassers sind unglaublich und man hat ein bisschen Action, weil man immer wieder über Felsen klettern muss. Nur die Kamera sollte man unbedingt gut festhalten 🙂

Liebe Grüße,
Isabella