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Japan Rail Pass – per “Interrail” durch Japan

Copyright Geoff Stearns, Flickr.com

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Wer kennt sie nicht, die Bilder der hypermodernen Hochgeschwindigkeitszüge in Japan? Selbst bei Japanern ist der Shinkansen ein Erlebnis und das nicht erst seitdem es einen Zug in Hello-Kitty-Optik gibt. 

Japan ist ein ideales Land zum umherreisen. Es gibt viele interessante Ort und Megacities, die alle ihren eigenen Charme versprühen und nur darauf warten, entdeckt zu werden. Da helfen natürlich das unglaublich gut ausgebaute Schienennetz und die schnellen Züge. Eigentlich mieten wir auf Reisen eher ein Auto, aber hier haben wir uns von den vielen Verbindungen, den Fahrtzeiten und dem Japan Rail Pass überzeugen lassen.    

Tokio Lokalzug

lokale Züge in Tokio können auch mit dem Rail Pass genutzt werden

Der Japan Rail Pass (JR-Pass) lässt sich mit dem europäischen interrail-Ticket vergleichen. Man kauft also ein Zugticket für z.B. 7 Tage und kann damit dann quer durchs Land fahren. Wir fanden das super praktisch, also haben wir ein paar Punkte zusammengestellt, die uns überzeugt haben bzw. worauf man achten sollte: 

  • Wenn man sich entschließt, einen JR-Pass zu kaufen, bekommt man einen Gutschein zugeschickt, mit dem man dann drei Monate Zeit hat ihn gegen den Rail Pass zu tauschen. So ein Tausch ist an den JR-Pass Wechselbüro in den Bahnhöfen möglich. Besonders schön fanden wir am Schalter die Arbeitsteilung, wie drei Frauen zwei Pässe mit verschiedenen Textmarkern bearbeitet haben. Ein im positivsten Sinne faszinierend durchchoreografiertes Ballett 🙂
  • Die Sitzplatzreservierung ist bei dem Pass enthalten. In den Shinkansen-Zügen gibt es Wagons mit Sitzplatzreservierungen und Wagons ohne Reservierungen. Hier muss man also nicht durch den ganzen Zug laufen und bei jedem Sitzplan nachschauen, ob er frei ist. Normalerweise kostet so eine Reservierung etwa nochmal so viel wie das Ticket selbst, aber mit dem JR-Pass ist der Sitzplatz inklusive. Dafür geht ihr einfach im Bahnhof an den jeweiligen Schaltern oder Automaten, sucht euch einen Zug aus und lasst euch die Reservierung ausdrucken. Fertig! 

  • Es gibt mehrere Arten von Shinkansen-Zügen. Das ist wichtig, da man mit dem JR-Pass nur  die „langsameren“ nutzen darf.  Die Züge mit den Namen Nozomi und Mizuho sind Business-Züge, die wirklich nur in den Großstädten halten und eben eher für die Geschäftsleute und Pendler gedacht sind. Auf denselben Strecken fahren auch die Hikari/Kodama bzw. Sakura/Tsubame-Züge, die man benutzen kann. Sie sind etwas „langsamer“, fahren aber ungefähr alle 30 Minuten. 
  • Die Anführungszeichen um „langsamer“ im vorigen Punkt sind Absicht. Auch die langsamen Züge machen ihrem Image als Hightech-Hochgeschwindigkeitszug alle Ehre. Für die knapp 500km zwischen Tokyo und Kyoto braucht man nur 2,5 Stunden. Das soll man mal mit dem Mietwagen schaffen. 
  • Shinkansen im Bahnhof

    Ein Shinkansen im Bahnhof

    Wenn ihr euren Zug ausgesucht habt und es Zeit ist, ans Gleis zu gehen, fallen euch bestimmt, die Schlangen an Leuten auf, die geduldig vor Markierungen auf dem Boden warten. Die Markierungen, wie Dreiecke oder Kreise, zeigen an, wo sich eine Zugtür befinden wird. Und glaubt uns, die Tür wird genau dort sein. Verschiedene Markierungen gelten  für verschieden lange Züge, z.B. sind bei einem Zug mit 5 Waggons die Türen immer bei den Kreisen oder so. In größeren Bahnhöfen gibt es auch einfach eine Absperrung zwischen Bahnsteig und Gleis mit Toren, die sich nach Ankunft des Zuges passgenau vor den Zugtüren öffnen.  

  • Nochmal zu den Schlange-stehenden Leuten: es gehört in Japan zum guten Ton, sich in der Schlange anzustellen, wenn man in eine Ubahn oder in einen Zug einsteigen möchte. In Deutschland gilt ja augenscheinlich meistens das Recht des Stärkeren oder Schnelleren, wer als erstes einsteigt. In Japan steigt zuerst ein, wer am längsten wartet, wer also vorne in der Schlange steht. Es wäre extrem unhöflich, sich vorzudrängen. Aber nachdem ihr wahrscheinlich eh eine Sitzplatzreservierung haben werdet, ist drängeln auch gar nicht nötig. 
  • Japanische Züge sind ultra-pünktlich. Die englische Bahn hat sich vor einiger Zeit damit gebrüstet, genauso pünktlich zu sein, wie die Bahn in Japan. Nämlich, dass 95% der Züge pünktlich sin. Was bei der Freude allerdings untergegangen ist, ist die Tatsache, dass bei den Engländern ein Zug als pünktlich galt, wenn er weniger als 10 Minuten Verspätung hat; bei den Japanern ist er pünktlich, wenn er weniger als 1 Minute verspätet ist (man merkt mal wieder: traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast). Moral von der Geschichte: zeitig am Bahnhof sein, auch wenn man da dann am Gleis ein bisschen Schlange steht. Trödeln, dass der Zug ja eh zu spät kommt, kann hier schlecht ausgehen. 
  • Eine Reise durch Japan kann sehr therapeutisch wirken für Leute, die immer viel zu viel Zeug für den Urlaub einpacken und dann mit dem größten Koffer am Flieger stehen. Die Gepäckablage in den Shinkansen-Zügen ist ungefähr so groß wie in einer S-Bahn. Man kann sein Gepäck zwar auch beim Zugpersonal abgeben, es ist aber nicht selbstverständlich, dass alle Englisch sprechen. Wir waren 10 Tage in Japan unterwegs und hatten jeder einen Handgepäckskoffer und einen kleinen Rucksack / eine Handtasche dabei. Damit tut man sich einfach so unglaublich viel leichter! Und es hat funktioniert. Wenn euch Tipps zum minimalistischen Packen interessieren, schreibt es doch in die Kommentare, dann machen wir da einen Extra-Eintrag dazu. 
  • neuer Shinkansen

    Einige Shinkansen Linien können nicht mit dem Rail Pass genutzt werden

    Die Shinkansen-Züge, die man mit dem JR-Pass nutzen kann, fahren alle 30 Minuten. Das ist zuerst mal eine sehr hohe Frequenz und jeder, mit dem wir im Vorfeld unserer Reise gesprochen haben, war der festen Überzeugung, dass man einfach an den Bahnhof marschieren und sich ohne Probleme eine Reservierung für den nächsten Zug geben lassen kann. Ist ja immer was frei, die fahren ja so oft. Das stimmt auch 90% des Jahres. Wir waren aber während der Kirschblüte da und dann gelten etwas andere Maßstäbe. Wir waren irgendwann immer schon zwei Tage vor der geplanten Fahrt am Bahnhof um Sitzplätze zu reservieren und trotzdem mussten wir dann entweder auf einen Zug sehr früh morgens oder spät nachmittags ausweichen, weil so viel los war. In Hauptreisezeiten lohnt sich also eine gewisse Vorausplanung bzw. Flexibilität. Oder man steht halt im „unreservierten“ Waggon. Da hat man dann wieder den Lichtblick, dass die Züge so schnell sind 🙂 

  • Wenn man sich nur eine bestimmte Gegend anschauen möchte, gibt es auch Regional Passes. Die sind dann zwar von der Reichweite her beschränkt, kosten dafür aber auch zum Teil deutlich weniger. 
JR Lines im Bahnhof

Mit dem Japan Rail Pass können fast alle JR Lines genutzt werden

Insgesamt kann man sagen, dass Japan sehr leicht zu navigieren ist, v.a. für ein ostasiatisches Land. Klar hat man die japanischen Schriftzeichen, aber praktisch überall stehen die Namen auch auf Englisch. Außerdem kommt einem die Ordnungsliebe der Japaner sehr zu Gute. Es ist alles sehr übersichtlich, sodass man sich sehr gut zurechtfinden kann. Das hätten wir im Vorfeld wirklich nicht gedacht, aber vor allem in den modernen Megacities wie Tokyo tut man sich nicht viel schwerer als zuhause auch. Mehr dazu in einem weiteren Artikel. 

 

 

 

 

 

*Titelbild Copyright Geoff Stearns, Flickr.com

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