Auf unserer Reise-Bucketlist stand schon seit einigen Jahren ein Besuch bei den Berggorillas in Uganda. Bis jetzt hatte uns aber, ehrlich gesagt, der stolze Preis des Gorillas Trackings die Reise eher hintenan stehen lassen und wir sind anderen spontanen Schnapsideen um die Welt gefolgt. Im Hinterkopf waren die Berggorillas aber immer da.

Berggorillas gibt es nur in der Grenzregion zwischen Uganda, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo. Da es schätzungsweise insgesamt nur noch ungefähr 1000 Exemplare gibt, sind sie streng geschützt. Wenn ihr Gorillas im Zoo seht, dann sind das Flachlandgorillas, die ursprünglich in der Zentralafrikanischen Republik, Gabun und dem Kongo vorkommen.

Um diese ruhigen Giganten zu sehen heißt es also, Wanderschuhe schnüren und ab nach Afrika.

Bwindi National Forest

Der Bwindi Impenetrable Forest

Da sie, wie gesagt, in der Grenzregion dreier Länger vorkommen, hat man auch drei Möglichkeiten, ein Tracking mitzumachen. Wir haben uns für Uganda und den Bwindi Impenetrable Forest entschieden. Hier kommen wir auch schon dazu, warum wir uns diesen Reisetraum jetzt tatsächlich erfüllt haben. Der Kongo ist für uns rausgefallen, da hier der Tierschutz leider nicht immer mit den wirtschaftlichen oder territorialen Ansprüchen mancher Menschen vereinbar ist. Außerdem soll die Wanderung hier sehr anspruchsvoll sein, weil die Tiere hier das „Berg“ in ihrem Namen sehr wörtlich nehmen. Bleiben also noch Uganda und Ruanda. Beide Länder sind politisch stabil und können problemlos bereist werden. Nun ist es aber so, dass Ruanda die sowieso schon happigen Gebühren für das Gorilla-Tracking nochmal verdoppelt hat. Also haben wir uns gedacht, bevor Uganda nachzieht, buchen wir jetzt den wahrscheinlich teuersten Ausflug unseres Lebens (SPOILER: wir haben es nicht bereut!).

Gorilla Silberrücken UgandaWir haben das Gorilla-Tracking als Teil einer Uganda-Ruanda Rundreise gebucht, weil man so von diesen beiden Ländern ja nicht wirklich viel weiß. Obwohl sie zu den kleinsten Ländern Afrikas zählen, sind sie doch unglaublich abwechslungsreich und definitiv eine Reise wert.

Der Bwindi Impenetrable Forest liegt im Westen Ugandas und hat seinen Namen wirklich nicht umsonst. Er liegt an den Flanken des Albert Riffs auf einer Höhe von 1160-2607m und erstreckt sich über großteils sehr steile Hügel und Täler.

Wie läuft der Tag bei den Gorillas also ab?

Gorilla Bwindi UgandaWenn man sein Permit für die Wanderung bucht, wird das Permit für eine bestimmte Gorillafamilie ausgestellt. Da der Park ziemlich groß und die Straßen schlecht sind, lohnt es sich, ein Hotel in der Nähe des Einstiegspunktes in die jeweilige Wanderung zu buchen. Unser Reiseveranstalter hat das ganz wunderbar gemacht, wir waren innerhalb von 10 Minuten bei der Ranger-Station. Hier gibt es für alle eine kurze Einführung, was man erwarten kann und wie man sich zu verhalten hat.

Dann wird man auf die verschiedenen Gorillafamilien aufgeteilt. Wir haben Glück und dürfen zur Mukiza Familie, die mehrere Jungtiere und ein wenige Tage altes Baby hat. Zu jeder Familie dürfen am Tag maximal 8 Touristen, dazu kommen ein Guide und zwei bewaffnete Ranger. Die sind dabei, um Elefanten oder andere Wildtiere im Falle eines Falles abzuschrecken. Wenn man möchte, kann man auch für 25$ einen Porter anstellen. Das sind Leute aus den umliegenden Dörfern, die ihr Geld damit verdienen, den Touristen auf der Wanderung zu helfen. Sei es beim Tragen des Gepäcks oder auch beim Klettern über Baumstämme oder einen steilen Abhang hinab.

Gorilla Bwindi UgandaDer Guide ist über Walkie-Talkie ständig mit den sogenannten Trackern in Verbindung. Die sind schon im Morgengrauen losgewandert, um die Gorillas zu suchen. Die Guides wissen zwar, wo die Gorillas am Vortag waren, aber auf Nahrungssuche können sie ziemlich weite Strecken zurücklegen, die es einem schwierig machen würde, sie ohne Hilfe zu finden.

Dann geht es zurück ins Auto und wir fahren zu dem Punkt, von wo aus wir die Tracker am einfachsten erreichen können. Wir haben nur einen großen Denkfehler gemacht: wir haben uns gedacht, „super, die Rangerstation ist schon auf 2400m, da kann man ja nicht so weit nach oben klettern müssen“. Tja, dafür geht’s umso weiter runter… Jeder wird mit einem Wanderstock ausgestattet und schon geht es in einem Affenzahn (😊) den Berg hinab. Über Stock und Stein und entlang von Büschen hangelnd, rutschen und laufen wir unserem Guide den gefühlt senkrechten Abhang hinab hinterher. Die Gorillas sind auf der Suche nach ihren Lieblingsfrüchten, also müssen wir schnell sein, um sie zu finden.

Die magische Stunde bei den Gorillas

Gorilla Bwindi UgandaIrgendwann wird der Dschungel dichter und man sieht vor lauter Grünzeug die Hand vor Augen fast nicht. Dann wird der Guide langsamer und man hört ein Grunzen von irgendwoher. Wie aus dem Nichts tauchen die Tracker vor uns auf und meinen, die Gorillas sind gleich hinter dem nächsten Baum. Wir lassen unsere Rucksäcke bei den Trackern und gehen nur mit der Kamera ins Unterholz.

Da sitzen im Gebüsch zwei Weibchen und schauen in aller Seelenruhe ihren Jungen beim Toben von Baum zu Baum zu Das Ganze erinnert sehr an eine Spielplatz-Szene, wo die Mütter am Rand aufpassen, dass die Kinder auf dem Klettergerüst keinen Unsinn machen. Treiben es die Kleinen doch mal zu toll, werden sie mit einem kurzen Ruck am Ast wieder zurückgepfiffen.

Weiter im Gebüsch entdecken wir noch andere Weibchen und auch den Silberrücken. Auch das kleine Baby können wir durch die dichten Blätter erspähen. Alle Familienmitglieder wirken sehr entspannt und scheinen sich in ihrem Verhalten nicht gestört zu fühlen.

Gorilla Bwindi UgandaInsgesamt darf man eine Stunde bei den Gorillas verbringen. Die Zeit vergeht unglaublich schnell, auch wenn nicht viel passiert. Wir sind schon am Gehen, da setzt sich auch die Gruppe in Bewegung und präsentiert sich nochmal in voller Pracht und wandert an uns vorbei ins Dickicht.

Immer noch tief beeindruckt geht es an den Rückweg. Hin sind wir eine halbe Stunde steil bergab geschlittert –  und das müssen wir jetzt wieder rauf. Gefühlt sind es 200%  Steigung (realistischer wahrscheinlich so um die 50%). Langsam und in kleinen Etappen geht es wieder nach oben. Irgendwann glauben wir schon, wir sind am halluzinieren. Da sitzt ein Gorilla neben dem Baum. Moment, da kommt noch einer!

Die Familie hat anscheinend einen ähnlichen Weg wie wir und läuft nochmal an uns vorbei. Irgendwie weniger angestrengt als wir… mit der zusätzlichen Motivation schaffen wir es aber auch noch den Rest des Weges nach oben. Hoch haben wir ca. eine Stunde gebraucht. Jetzt müssen wir alles erst einmal verarbeiten und setzen lassen.

In der Zwischenzeit ein paar allgemeine Tipps:

Was sollte man bei einem Gorilla-Tracking mitnehmen?

  • Wanderschuhe – Sollte keine große Überraschung sein. Es geht hier wirklich quer durch den Dschungel und steile Abhänge hinauf und hinab. Da ist gut eingelaufenes, festes Schuhwerk unerlässlich.
  • Handschuhe – Kam uns erst seltsam vor, die auf der Packliste zu finden, aber gute Gartenhandschuhe sind Gold wert! Man muss sich ständig an irgendwelchen Ästen oder dornigen Schlingpflanzen festhalten, da greift man mit den Handschuhen einfach sicherer zu.
  • Mückenspray – immer eine gute Wahl. Eigentlich gibt es aufgrund der Höhe hier keine Mücken, das Spray hilft aber auch gegen Zecken und allerlei anderes Getier.
  • Gorilla Bwindi UgandaOutdoor-Klamotten –  Wir haben beim Start der Gorilla-Wanderung in Ruanda Leute mit Flipflops und Wildlederjäckchen gesehen. Kann man machen. Man sollte sich aber darauf einstellen, dass man bei der Wanderung sehr wahrscheinlich (auch in Wanderschuhen) irgendwann ausrutscht und ein paar Meter auf dem Hintern zurücklegt. Also vielleicht eher Outdoor-Klamotten, die dreckig werden dürfen. Am besten in gedeckten Farben, dann stört man die Gorillas nicht so sehr, wie wenn man als knallrote Signalleuchte da auftaucht.
  • Wasser – die offizielle Empfehlung sind mindestens 2 Liter pro Person. Es ist sehr unterschiedlich, wie weit man laufen muss, um die Gorillas zu finden. Es ist anscheinend nicht selten, dass man den ganzen Tag unterwegs ist. Dafür sollte man versorgt sein.
  • Snacks –  auf langen Wanderungen auch hilfreich. Am besten Bananen, Nüsse oder Müsliriegel.
  • Gorilla Kind UgandaKörperliche Fitness –  überall steht, dass für die Wanderungen eine gute körperliche Fitness nötig ist. Wir waren uns im Vorfeld sehr unsicher, was genau das heißt? Fitness im amerikanischen Sinn, dass man 100 Meter am Stück gehen kann ohne den Veranstalter zu verklagen oder richtige Fitness, dass man jedes Jahr eine Alpenüberquerung macht? Es gibt tatsächlich eine sehr große Spannweite, wie anstrengend die Wanderungen sind. Einmal haben sie die Gorillas direkt hinter der Rangerhütte entdeckt, also keine 20 Meter zu laufen. Am Tag vor unserer Tour ist die Gruppe erst in der Abenddämmerung zurückgekommen. Wir hatten angeblich eine einfache Tour, weil wir die Gruppe nach nur einer halben Stunde gefunden haben. Ob da die Steilheit des Weges mit einberechnet wurde, hat der Guide nicht gesagt…
  • Geduld – wie überall, wenn es um Natur geht. Gorillas sind wilde Tiere und sie bewegen sich, wie es ihnen gerade in den Kram passt. Also dauert es vielleicht länger, bis man sie tatsächlich findet oder sie schauen dann nicht direkt in die Kamera. So ist Natur und man ist doch genau deswegen da, um die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten.
  • Innere Ruhe – Gorillas sind groß, vor allem der Silberrücken kann ziemlich einschüchternd sein. Es kommt auch schon mal vor, dass die Tiere näher kommen. Vor allem Jungtiere sind sehr neugierig und ziehen angeblich auch schon mal an den Haaren. Davon nicht aus der Ruhe bringen lassen und einfach ignorieren. Leichter gesagt, als getan. Aber die Ranger passen auf, dass den Gorillas nicht unbewusst falsche Signale gesendet werden.

Gorilla Kind UgandaFazit: Ich habe früher in Zoos nie etwas mit Affen anfangen können. Sie waren für mich unglaublich langweilig. Deswegen hatte ich mir große Sorgen gemacht, dass man die Gorillas durch verschiedene Dokus vielleicht im Vornhinein zu sehr romantisiert hat und man dann vor Ort nicht wirklich was mit dieser Erfahrung anfangen kann. Was habe ich mich getäuscht! Gefühlt ist noch nie eine Stunde so schnell vergangen. Auch wenn die (erwachsenen) Tiere nicht die aktivsten sind, macht doch gerade ihre innere Ruhe und Gelassenheit so viel von ihrer Majestät aus. Die Augen scheinen Bände zu sprechen.

Wir wurden vorher von jemandem, der die Wanderung schon mitgemacht hat, gefragt, ob wir glauben, dass wir weinen werden, wenn wir die Gorillas sehen. Die Frage kam uns sehr seltsam vor. Warum sollten wir??? Im Nachhinein kann ich sagen, wir haben zwar nicht geweint, aber ich kann verstehen, wenn es manchen Menschen so geht. Einfach eine unglaubliche Erfahrung, die einem die Wichtigkeit von Naturschutz nochmal mehr bewusst macht.

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