NeuseelandRundreise

Neuseelands Nordinsel: die Coromandel Halbinsel

Geschätzte Lesezeit: 10 Minuten

Die Coromandel Halbinsel fehlt in manchen angebotenen Rundreisen über die Nordinsel Neuseelands komplett. Wir können das überhaupt nicht verstehen, denn die Halbinsel ist wunderschön und sollte auf keinen Fall ausgelassen werden! Eine gute Basis, um die Halbinsel zu erkunden sind die Orte Thames und Whitianga. Thames liegt direkt am Anfang, während Whitianga am anderen Ende der Halbinsel zu finden ist. Wir haben uns für Thames entschieden und haben es nicht bereut. Dort haben wir auch mit dem Cotsworld Cottage ein Bed & Breakfast mit den vielleicht besten Gastgebern, die man bekommen konnte, gefunden. Von Thames aus gibt es zwei Touren, die man über die Halbinsel unternehmen kann.

Cathedral Cove

Coromandel Cathedral Cove

Cathedral Cove und die bekannten Sandsteintürme

Eine halbtägige Tour (auf unserer Karte unten in blau dargestellt) geht an die Ostküste, zur bekannten Cathedral Cove. Eine knapp einstündige Wanderung erwartet euch mit allerlei Aussichtspunkten. Da es bei dieser Wanderung von einem Hügel hinunter zum Strand geht (und auf dem Rückweg wieder hinauf), sollte man sich genügend Wasser einpacken und im Sommer diese Tour eher nicht in der Nachmittagshitze unternehmen. Cathedral Cove ist eine Sandsteinhöhle am Strand, die vom Meer ausgehöhlt wurde. Die wirklichen Hingucker sind jedoch ganz klar die Sandsteine, die aus dem Meer ragen. Ähnlich wie an der Great Ocean Road kann dieser Anblick aber bald vorbei sein. Speziell an einem dieser Felsen sieht man, wie weit das Meer schon am Fundament geknabbert hat.

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An einem warmen Tag lädt der Strand auch zu einem erfrischenden Sprung ins Wasser ein. Achtet jedoch auf die Informationen am Strand, da die Strömungen hier schnell unterschätzt werden können.

Auch der Weg zur Cathedral Cove ist hier das Ziel. Immer wieder kommt ihr zu atemberaubenden Ausblicken über die Bucht, die – ähnlich wie an der Bay of Islands  – viele kleine unbewohnte Inseln beherbergt. Es gibt auch kleine Abstecher, beispielsweise zum Stingray Beach, einem vielleicht noch schöneren Strand als an der Cathedral Cove, weil er malerisch in eine Bucht eingebettet ist. Der Ort Hahei selbst, von wo der Weg zur Cathedral Cove startet, ist ein kleiner Ort, der allerdings viele Touristen begrüßt. Daher liegt der Hauptparkplatz inzwischen auch außerhalb des Ortes und ein Shuttlebus bringt euch zum Start der Wanderung.

Hot Water Beach

Coromandel Hot Water Beach

Buddelzeit am Hot Water Beach

Direkt in der Nähe von Hahei gelegen liegt Hot Water Beach. Der riesige Strand ist für seine heißen Quellen berühmt, die direkt unter dem Sandstrand liegen. Mit einer Schaufel bewaffnet kann man sich hier einen eigenen Pool buddeln, der dann mit dem heißen Grundwasser voll läuft. Allerdings ist dies meist nur bei Ebbe möglich, da sonst der mit viel Mühe gegrabene Pool gleich wieder mit kälterem Wasser ausgespült wird. Das ganze ist wirklich ein Erlebnis, das es nur an wenigen Orten so zu sehen gibt. Allerdings war es für uns auch etwas befremdlich, wie sich hunderte Menschen in Badeklamotten auf wenigen Zentimetern in selbst gegrabene Sandlöcher setzen. Die Masse an Touristen hat diesem Ort leider ein wenig seinen Charme genommen.

Sollte die Coromandel Halbinsel auf dem Programm einer Rundreise stehen, so sind Cathedral Cove und Hot Water Beach meist die beiden Spots, die angefahren werden. Es gibt jedoch noch viel mehr auf der Halbinsel zu entdecken, und hier kommen nicht mehr so viele Touristen hin. Hat man also noch einen Tag Reisezeit übrig, lohnt es sich, eine ganztägige Tour an die Westküste und in den Norden der Insel zu machen. Diese Tour ist auf der folgenden Karte in gelb dargestellt.

New Chums Beach

Coromandel New Chums Beach

Schon der Whangapoua Beach ist ein Hingucker

Ein etwas verstecktes Ziel ist New Chums Beach. Von Thames aus sind es gut anderthalb Stunden Fahrtzeit bis zu diesem versteckten Strand. New Chums Beach wurde zu den 20 schönsten Stränden der Welt gewählt. Man erreicht ihn allerdings nur zu Fuß oder vom Wasser aus. Mit dem Auto kann man am Ende der Straße am Whangapoua Beach parken, ab hier geht es nun zu Fuß weiter. Der Wanderweg zum New Chums Beach führt am Whangapoua Beach entlang bis zum New Chums Lookout, von dem man einen tollen Block auf den Strand hat. Da der Strand nur zu Fuß erreichbar ist, hat man ihn oft fast für sich allein; etwas was man in Neuseeland nur noch an wenigen Orten behaupten kann.

Auch am New Chums Beach lohnt sich ein Blick auf den Tidenkalender. Die Wanderung kann eigentlich nur barfuß oder mit Badeschuhen bewältigt werden, da wir relativ am Anfang der Wanderung einen Fluss durchqueren müssen. Bei Flut ist aber das Ende des Whangapoua Beaches komplett überspült und man ist gezwungen, auf den rauen Felsen zu laufen, was barfuß nicht nur unangenehm ist, sondern auch gefährlich werden kann, da die Steine feucht und rutschig sind. Bei Ebbe ist der Zugang zum New Chums Beach daher um einiges einfacher.

Eine Mittagspause kann man nach Besuch des Strandes im Ort Coromandel einlegen. Der Weg zwischen New Chums Beach und Coromandel ist wunderschön, er windet sich durch dichten Regenwald. Auf den Kuppen der Hügel hat man einen tollen Ausblick auf die Halbinsel und die Bucht. Auch Waiheke Island und sogar die Skyline von Auckland sind von den Aussichtspunkten zu sehen.

309 Road

Etwas südlich vom Ort Coromandel beginnt die berühmte 309 Road, eine Schotterstraße, die Coromandel an der Westküste mit Whitianga an der Ostküste verbindet. Auch wenn die meisten Mietwagenzentralen das Fahren auf nicht befestigten Straßen verbieten, die 309 Road ist sehr gut befahrbar und fühlt sich fast wie eine asphaltierte Straße an. Die Straße muss auch nicht bis Whitianga genommen werden. Um wirklich alles von der Insel zu sehen bietet es sich an, hinter den unten genannten Kauris wieder umzudrehen.

Die offene Schweinefarm

Coromandel Schweinefarm

Ein entspanntes Leben entlang der 309 Road

Kurz nachdem wir den letzten Meter Asphalt verlassen haben, kommt ein sehr ungewöhnlicher Stopp. Der Farmer Stuart hat hier auf beiden Seiten der 309 Road eine Schweinefarm angelegt. Die Schweine können sich hier frei auf beiden Seiten bewegen und sind alles andere als scheu. Gerade im späten Frühjahr sollte man aufpassen, dass man kein Ferkelchen übersieht. Die Felder sind dekoriert in industriellem Stil, ausrangierte Traktoren und Reifen sind hier die Einrichtungsgegenstände der Schweinefamilie. Ein wirklich süßer und auf alle Fälle ungewöhnlicher Stopp.

The Waterworks

Ein paar Kilometer weiter befindet sich, etwas versteckt, ein ganz besonderer Erlebnispark: The Waterworks. Waterworks versteht sich als ein typisch neuseeländischer Park und er ist es auch. Ja, er kommt etwas hemdsärmelig daher, wenn man ihn mit europäischen Freizeitparks vergleicht. Gleichzeitig ist er aber auch einem Thema gewidmet, mit dem sich die Neuseeländer sehr identifizieren können: Natur und Nachhaltigkeit. Alle Attraktionen im Park sind wasserbetrieben und gerade Kinder können hier viel entdecken und lernen über Physik, die Kraft des Wassers etc.

Waiau Falls

Coromandel Waiau Falls

Die malerischen Waiau Falls

Weiter geht es auf der 309 Road in den dichten Regenwald. Die Straße wird etwas enger und auf Gegenverkehr sollte man hier auch achten (und weiter an den Linksverkehr denken!). Unser nächster Halt ist etwas für Naturliebhaber: Waiau Falls. Inmitten des dichten, grünen Regenwaldes bahnt sich ein Bach seinen Weg und bildet an einer Stelle die Waiau Falls. Die Wasserfälle sind malerisch gelegen, auch ein kleiner Pool am Fuße der Wasserfälle lädt zum Baden ein (für die Hartgesottenen, das Wasser ist nämlich ziemlich kalt). Waiau Falls ist vielleicht eines der ikonischsten Orte Neuseelands: Versteckt in dichter Natur findet man so im ganzen Land kleine Perlen der Schönheit der Natur.

Kauri Grove

Letzter Stopp auf der 309 Road ist die Kauri Grove. Ähnlich wie in der Region Far North ist auch hier eine Kauri-Krankheit ausgebrochen, daher ist es angeraten, nach jeder Wanderung sein Schuhwerk zu säubern. Entsprechende Reinigungsstationen findet man am Anfang jedes Wanderweges. In der Kauri Grove gibt es viele sehr alte Kauri Bäume zu bestaunen. Viele dieser Bäume standen bereits an diesem Ort, als in Europa noch die Römer regierten – einfach unvorstellbar. Kauris sind massive Bäume. Einige Kauribäume kann man auf dem Weg auch umarmen. Wie viele Leute benötigt ihr, um einmal herum zu kommen?

Von hier aus machen wir uns wieder auf den Rückweg Richtung Westküste der Halbinsel. Ein Stopp liegt noch vor uns bevor wir wieder zurück in Thames sind, und er hat wieder mit Kauri Bäumen zu tun.

Square Kauri

Auf etwa dem halben Weg zwischen Coromandel und Thames zweigt eine Straße in das Inselinnere ab, die sogenannte Tapu-Coroglen Road. Der Schein trügt etwas, denn die zuerst noch asphaltierte Straße wird bald zu einer Schotterpiste. Und anders als auf der 309 Road sollte man hier wirklich Vorsicht walten lassen, die Straße wird im weiteren Verlauf eng und kurvig (und birgt sehr viele Löcher). Selbst Einheimische meiden diese Straße. Daher wollen wir auch nur das Nötigste dieser Straße befahren.

Coromandel Kauri

Nicht nur der Square Kauri, sondern auch ein „Twin Kauri“ ist hier zu sehen

Auf der rechten Seite der Straße seht ihr die Rapaura Watergardens, eine kleine Gartenlandschaft mit vielen Wasserspielen. Im Gegensatz zu den Waterworks ist dies hier jedoch ausschließlich ein Garten und kein Erlebnispark, in dem sich die Kinder austoben können. Die recht begrenzten Öffnungszeiten machen es gerade bei einer Tagestour wie der unseren schwer, die Gärten tatsächlich zu besichtigen.

Ein kleines Stück weiter liegt der Square Kauri. Hier muss man aufpassen, denn das Hinweisschild ist nur für die entgegengesetzte Fahrtrichtung sichtbar. Dreht euch daher auch während der Fahrt kurz um, um die Schilder auf der anderen Straßenseite zu lesen. Kurz vor einer kleinen Holzbrücke gibt es eine kleine Parkbucht. Dort startet auch der Wanderweg zum Square Kauri. Der Square Kauri ist, wie der Name schon sagt, ein Kauri Baum mit fast quadratischem Stamm. Es ist eigentlich ein Wunder, dass dieser Baum nicht kurz nach der Kolonialisierung abgeholzt wurde, da seine Form ideal zum Haus- und Bootsbau wäre.

Nach der Besichtigung des Square Kauris drehen wir um und fahren zur Westküste zurück. Unser Tag klingt in Thames aus. Da Neuseeland sehr viele Einwanderer aus Asien begrüßt hat, gibt es in jedem Ort auch grandiose asiatische Restaurants. In Thames stießen wir daher auf die Royal Kitchen und konnten eines der besten indischen Currys außerhalb Indiens genießen.

Anreise

Der einzige internationale Flughafen auf der Nordinsel ist Auckland. Falls ihr vorhabt, von Australien aus nach Neuseeland zu reisen, so könnt ihr auch nach Wellington oder Hamilton fliegen.

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Reisezeit

Die Jahreszeiten in Neuseeland sind genau umgekehrt zu den Jahreszeiten in Europa. Daher ist Januar/Februar hier Hochsommer. Gerade im Norden der Nordinsel kann es hier auch sehr heiß werden. Die hohe Intensität der Sonne sollte nicht unterschätzt werden. Die idealste Reisezeit ist wahrscheinlich der Herbst (März/April), der Frühling (November/Dezember) kann sehr verregnet sein. Bei einer Rundreise über beide Inseln solltet ihr beachten, dass die kalte Jahreszeit ein paar Wochen länger andauert als auf der Nordinsel. Daher empfiehlt sich im Herbst, auf der Südinsel zu starten. Im Frühjahr sollte man hingegen eher im Norden starten.

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