AmerikaRundreise

7 Fragen zum Reisen mit dem Wohnmobil in Amerika

In welchen Ländern lohnt es sich?

Es lohnt sich bestimmt überall, nur ist eine Reise mit dem Wohnmobil in manchen Ländern praktischer und einfacher als in anderen.

Uns hat in Kanada und den USA als Wohnmobil-Neulinge einfach gefallen, dass es so breite Straßen und so große Parkplätze gibt. Dass man sich nicht schlecht fühlen muss, wenn man mehrere Parkplätze auf einmal belegt und einen deswegen auch niemand blöd anredet. Es heißt ja immer, dass in Amerika alles ein bisschen größer ist und in dem Fall war es auch gut so! Apropos Parkplätze: praktisch war natürlich auch, dass es bei verschiedenen Sehenswürdigkeiten extra ausgeschilderte größere Parkplätze für Wohnmobile gab, so ergeben sich von vornherein keine Streitereien zwischen Auto- und Camper-Fahrern.

Wir hatten uns auch für einen Camper entschieden, weil wir die Natur sehen und nicht nur auf Hotels angewiesen sein wollten. Auch hier war der Vorteil, dass Kanada und die USA sehr viel mehr Platz haben und so auch die meisten Campingplätze einfach wunderschön im Grünen liegen. Unser liebster Campingplatz ist wahrscheinlich immer noch unser allererster auf Vancouver Island. In einem weitläufigen Waldstück hatte jedes Wohnmobil praktisch seine eigene kleine Lichtung und vom Nachbarn war im dichten Wald nichts zu sehen.

Welche Arten von Wohnmobilen gibt es?

Grob gesagt gibt es drei Arten von „Wohnmobilen“.

Die kleinste und kompakteste Variante ist nicht viel anders als ein umgebauter VW Sprinter. Solche Campervans sind wegen ihrer PKW-ähnlichen Größe meist ohne große Eingewöhnung recht schnell zu beherrschen, man muss sich keine großen Gedanken über Parkplätze vor dem Supermarkt machen und man kommt überall hin damit. Mit der geringen Größe kommen dann aber auch ein paar Nachteile: im Innenraum ist nicht viel Platz, dementsprechend wenig Komfort bietet es. Wem das nicht ausmacht und wer nur zu zweit unterwegs ist, für den ist das eine praktische und Sprit-sparende Alternative.

Eine Nummer größer sind sogenannte Truck Camper. Hier ist bei einem Pickup Truck eine Wohneinheit auf die Ladefläche gebaut. Diese Version biete meist denselben Komfort und die gleiche Ausstattung wie man es in „richtigen“ Wohnmobilen erwarten würde. Der einzige Unterschied/Nachteil ist, dass man nicht direkt von der Fahrerkabine direkt ins Wohnzimmer zu gehen. Meistens finden hier drei bis fünf Personen ein Schlafplätzchen.

Dann gibt es noch die klassischen Wohnmobile, die vor allem in den USA absurde Ausmaße annehmen können. Die meisten Wohnmobile haben eine kleine Küche, eine Essecke und eine Schlafgelegenheit über der Fahrerkabine. Je nach Ausstattung kommen noch ein Bad mit Klo und Dusche und weitere Schlafgelegenheiten dazu. Bis zu sechs Personen kommen hier unter. Wir hatten in Kanada zu zweit ein Wohnmobil, das 22Fuß (ca. 7m) lang war mit Platz für sechs Personen. Zuerst war das Einparken etwas schwierig, aber sobald man merkt, dass alle anderen auch vier Supermarktparkplätze auf einmal blockieren, lässt das schlechte Gewissen auch wieder nach 🙂

Ganz allgemein lässt sich sagen, dass man auch bei der Auswahl des Campers seine geplante Reise im Kopf haben sollte. Mit einem Wohnmobil, das von der Größe her in Richtung Reisebus geht, wird man in Ländern, wie USA, Kanada oder Australien keinerlei Probleme haben, sondern eher einen sehr komfortablen Urlaub verbringen. Mit einem solchen „Schlachtschiff“ durch eine mittelalterliche französische Kleinstadt zu navigieren will aber gut überlegt sein.

Brauche ich einen extra Führerschein?

Grundsätzlich berechtigt der normale Autoführerschein (Klasse 3 oder B) zum Fahren von Fahrzeugen bis zu 3,5t. Für schwerere Fahrzeuge braucht ihr den entsprechenden Führerschein.

Wenn ihr in den USA, in Kanada oder Australien einen Camper mieten wollt, wird damit meist etwas lockerer umgegangen. Für die meisten üblichen Camper reicht hier ein normaler deutscher Führerschein (Klasse 3 oder B). Für genauere Infos, wie euer Anbieter das handhabt, schaut in die dortigen FAQs; die Frage wird meist als eine der ersten beantwortet.

Die großen Wohnmobil-Vermieter akzeptieren den nationalen Führerschein auch bei der Abholung des Wagens. Trotzdem empfehlen wir die Mitnahme eines internationalen Führerscheins, wenn es ins Ausland geht. Den gibt es meistens im nächsten Straßenverkehrsamt (Beachte: der internationale Führerschein ist nur in Verbindung mit dem nationalen Führerschein gültig). Auch wenn die Vermietstation mit dem normalen Führerschein zufrieden ist, heißt das nicht, dass es der Streifenpolizisten im ländlichen Wyoming auch ist. Um solchen Schwierigkeiten vorzubeugen, also sowohl den nationalen als auch den internationalen Führerschein dabei haben.

Welche Extras sollte ich dazu buchen?

Bei den zubuchbaren Extras kommt es ganz darauf an, wie ihr euch eure Reise vorgestellt habt bzw. in welchem Land ihr unterwegs seid. Oft werden vom Vermieter Kilometer-Pakete oder –Pauschalen angeboten.

Solltet ihr euch das Wohnmobil gemietet haben, weil ihr nicht in einer Hotelburg schlafen, sondern der ersten Reihe an einem See campen wollt und eher kleinere Ausflüge mit dem Fahrrad euer Ding sind, dann braucht ihr natürlich nicht so viele Kilometer „einzukaufen“.

Für unsere Kanada-Tour hatten wir dagegen ein Paket mit unbegrenzten Kilometern. Das hat auf den ersten Blick natürlich eine große Kerbe in unser Reisebudget geschlagen. Aber wenn man sich überlegt, dass wir eine Route von ungefähr 2.300km geplant hatten (ohne spontane Umwege und Ausflüge), war es so weitaus günstiger, als evtl. im Nachhinein noch Kilometer nachkaufen zu müssen. Die gehen dann nämlich richtig ins Geld.

Ihr solltet euch also vorher im Klaren sein, wie viel ihr tatsächlich im Camper unterwegs sein werdet. Die Strecken zwischen zwei interessanten Orten sind in Kanada oder Australien meistens nun mal länger als in Frankreich und man ist mehr auf einen motorisierten Untersatz angewiesen. Macht euch also einen groben Plan der Route (auch wenn spontane Abenteuer die schönsten sind 🙂 ) und rechnet großzügig, was die Kilometer angeht, damit der Spontanität nichts im Wege steht.

Ein anderer Punkt, den man oft extra zahlen muss, sind so genannte Convenience Kits oder die Camping- und Fahrzeugausstattung. Damit ist nicht anderes gemeint, als Bettwäsche, Handtücher, Geschirr und Putzlappen. Also Dinge für den täglichen Gebrauch. Die kosten meistens zwischen 50-75$. Auf den ersten Blick auch wieder eine Ausgabe, die vermeidbar wäre. Aber unserer Meinung nach ist so ein Kit tatsächlich aus ein paar Gründen sinnvoll.

Erstens spart ihr euch die Mühe, die Nerven und, ganz wichtig, das Geld um das alles vor Ort neu anzuschaffen. Selbst wenn ihr talentierte Schnäppchenjäger seid, wird eine komplette Küchenausstattung mehr kosten.

Und wer jetzt denkt, „kein Problem, Plastikgeschirr ist viel billiger“, dem sei der zweite gute Grund für das Convenience Kit ans Herz gelegt: die Umwelt. Genauso wenig wie die meisten von euch wahrscheinlich mit Bettwäsche und Töpfen ihre wertvollen 23kg Freigepäck auf dem Hinflug herschenken möchten, werdet ihr eure gekaufte Ausrüstung wahrscheinlich im Anschluss auch nicht wieder mit nach Hause nehmen wollen. Es landet also alles auf dem Müll, nachdem es gerade mal drei bis vier Wochen in Gebrauch war. Das ist absolut unnötig.

Wo darf ich mein Nachtlager aufschlagen?

Wildcampen ist nur in absoluten Ausnahmen erlaubt und man sollte sich rechtzeitig einen Campingplatz suchen. Bei Fragen hilft hier der Vermieter weiter.

Welche Unterschiede gibt es bei Stellplätzen?

Wenn ihr nach einem ereignisreichen Tag einen Campingplatz für euer Wohnmobil sucht, gibt es verschiedene Arten von Stellplätzen. Man kann zwischen serviced und unserviced Plätzen unterscheiden. Bei unserviced bekommt ihr einfach ein Fleckchen Erde zugewiesen, auf dem ihr nächtigen könnt. Im Unterschied dazu bieten serviced Plätze ein paar Extras. Euer Camper hat zwar einen Wasservorrat, mit dem ihr kochen, die Toilette spülen oder duschen könnt, aber so ein Vorrat ist auch irgendwann erschöpft. Dasselbe gilt für den Abwassertank, nur umgekehrt. Auf einem serviced Stellplatz, also, gibt es Strom- und Wasseranschlüsse und manchmal auch eine Möglichkeit Abwasser abzulassen (wenn es keine eigene gibt, dann gibt es meist eine allgemeine am Ausgang des Campingplatzes). Diese Stellplätze kosten aufgrund dieser Extras zwar etwas mehr, aber je nachdem wie viel Wasser ihr im Camper nutzt, sollte man es alle drei bis vier Tage nachfüllen/ablassen, um unschöne Überraschungen zu vermeiden.

Serviced Plätze gibt es eher auf privat geführten Campingplätzen. Staatlich geführte, wie in den Nationalparks sind sehr einfache, unserviced Plätze, dafür sind sie um einiges billiger und meist viel schöner gelegen.

Machen das nicht nur „alte Leute“?

Genau das haben wir uns damals auch gefragt, da man ja doch vor so manchen Stereotypen nicht gefeit ist.

Unser Gedanke, uns damals für eine Reise im Wohnmobil zu entscheiden war, relativ kostengünstig viel von einem großen Land mit weiten Wegstrecken und viel Natur und Wildnis zu sehen. Als Alternativen tun sich da natürlich erstmal Mietwagen oder Zug- und Busfahren und Hotels auf. Wenn man aber wirklich ins Hinterland möchte, werden die Hotels rar und nicht gerade billiger. Und es kann irgendwann echt anstrengend werden, wenn man auf so einem Roadtrip jeden Tag oder alle zwei Tage wieder seine Koffer packen muss. Weil wir doch einiges an Stopps vorhatten, haben wir uns also mit anfänglich großer Skepsis für ein Wohnmobil entschieden.

Wir haben uns dann aber schnell eines Besseren belehren lassen. Es ist doch praktisch, seinen ganzen Hausstand immer dabei zu haben, einfach mal neben einem See zur Mittagszeit anhalten und sich dort ein vollwertiges Essen zubereiten zu können oder eben nicht ständig Koffer ein- und auspacken zu müssen.

Ganz ehrlich muss man auch sagen, dass Nordamerika ein sehr dankbares Land für einen Camperurlaub ist. Aber, um schon mal am Anfang ein Fazit zu ziehen, wir würden es genauso wieder machen – auch mit 30.

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